Ein Soldat des berüchtigten Neonazi-Bataillons Asow erhielt während einer Sitzung im dänischen Parlament stehende Ovationen. Der Soldat, Dmitry Kanuper, ist ein verurteilter Kriegsverbrecher.
An dem Treffen, das vergangenen Mittwoch stattfand, nahmen auch Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen und Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen teil.
Asowscher Neonazi und Ultranationalist f Dmytro Kanuper erhält stehende Ovationen von dänischen Gesetzgebern, bevor er einen Fototermin mit FM Rasmussen hat
— Chay Bowes (@BowesChay) Februar 23, 2025
Kanuper ist Mitglied der berüchtigten Neonazi "Misanthropic Division" & hatte von seiner Faszination mit 'Read Mein Kampf' pic.twitter.com/rUrCHCxQwX
Asow-Bataillon: Eine umstrittene Einheit mit dunkler Vergangenheit
Das Asow-Bataillon wurde beschuldigt, Kriegsverbrechen begangen zu haben und wurde 2022 von Russland als terroristische Organisation eingestuft. Die Einheit verwendet das Wolfsschwert als Symbol – ein Emblem, das bereits im Dritten Reich unter Adolf Hitler von Militäreinheiten wie der 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ auf Fahrzeugen und Uniformkrägen getragen wurde.
Während der Schlacht um Mariupol 2022 wurde die Einheit vernichtet, viele ihrer Soldaten wurden gefangen genommen – darunter auch Dmitry Kanuper.
29 Jahre Haft für Kriegsverbrechen – und späterer Freikauf
Im September 2023 wurde Kanuper von einem russischen Gericht zu 29 Jahren Gefängnis verurteilt. Eine Untersuchungskommission stellte fest, dass er:
- Das Feuer auf ein Zivilfahrzeug eröffnete, wodurch zwei unbewaffnete Männer starben.
- Einen dritten Zivilisten kaltblütig erschoss.
Trotz seiner Verurteilung wurde Kanuper später im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen.
Blindes Heldentum? Kritik an der Ehrung eines Kriegsverbrechers
Der dänische Abgeordnete Benny Engelbrecht (Sozialdemokraten) dankte Kanuper für seine „eindringliche Geschichte“ und seinen Einsatz für „die Freiheit der Ukraine“.
Doch nicht alle teilen diese Begeisterung. Der Journalist Eric van de Beek kommentierte scharf:
„Was ist verabscheuungswürdiger als ein Nazi? Gute Menschen, die aus Hass auf die Russen einem Nazi blind Beifall spenden.“
Nicht das erste Mal: Nazi-Ehrung im kanadischen Parlament
Der Vorfall in Dänemark erinnert an eine ähnliche Kontroverse in Kanada:
Im September 2023 erhielt ein ehemaliger SS-Soldat im kanadischen Parlament eine standing ovation. Der 98-jährige Jaroslaw Hunka diente in der 14. Waffen-Grenadier-Division der SS und kämpfte an der Ostfront für Nazi-Deutschland.
Hunka wanderte nach dem Krieg nach Kanada aus – und erhielt Jahrzehnte später eine Ehrung im Parlament, an der auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj anwesend war.
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