Wie sich Nazis & Querdenker für den Winter verschwören – über Anselm Lenz

Corona-Extremisten sammeln sich beim „Demokratischen Widerstand“ von Anselm Lenz

Ruhig ist es lange um die Querdenker-Bewegung gewesen. Ein Großteil der Maßnahmen wurde aufgehoben, damit ging auch das zentrale Mobilisierungsthema der Querdenker verloren. Mit Russland-Invasion, Energiekrise und Inflation haben die Verschwörungsideologen neue Krisen gefunden, die sie zur Mobilisierung nutzen. Am 1. August war es dann wieder soweit und man kam in Berlin für das zweijährige Jubiläum der Proteste zusammen. Wir vom Volksverpetzer waren vor Ort. Hier zu sehen die Querdenker am Gendarmenmarkt auf dem Weg zum Bundestag:

Nun heißt es auf den Straßen nicht mehr „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“, sondern „Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung.“ Wurde das mit dem Ausbleiben der viel vorhergesagten Diktatur zu offensichtlich? Während die Organisation „Querdenken“ auch mit Inhaftierung ihres Gründers in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, versucht im Hintergrund eine „neue“ Organisation alle Corona-Extremistischen Kräfte der Bewegung zu bündeln: Der „Demokratische Widerstand“ von Herausgeber Anselm Lenz. Dieser Herr hier, buchstäblich im Hintergrund:

Lenz, Querdenker und der „demokratische Widerstand“ arbeiten gezielt mit der Neonazi-Szene zusammen, um unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung anzugreifen.

(Un)Demokratischer Widerstand

Die in Berlin zuletzt organisierten Proteste tragen die Handschrift von Anselm Lenz. Doch er ist kein Unbekannter. Im Gegenteil, er steckt von Anfang an hinter den Schwurbel-Protesten. Länger gar als der derzeit inhaftierte Michael Ballweg. Hier ein kurzer Blick auf sein Blatt:

Auf den ersten Blick nur eine haptische Zeitung, die auch online abrufbar ist. Bei näherer Betrachtung wird klar, dass hier alle Fäden in der Szene der Corona-Extremisten zusammengehen. Tatsächlich wird dieses Blatt seit Beginn der Corona Proteste auf Demos verteilt. Nun ist das Blatt und Lenz mittlerweile nicht nur Desinformationsmedium, sondern aktiver Vernetzungsakteur.

Anselm Lenz kennt alles und jeden: Von den Querdenkern KenFM und Michael Ballweg bis zu den Rechtsextremisten Götz Kubitscheck und Compact, bei Anselm Lenz kommt die „Querfront“ zusammen – die er selbst so nennt. Aber der Reihe nach, wer ist Anselm Lenz, der hinter „Demokratischer Widerstand“ steckt?

Wer ist Anselm Lenz?

Anselm Lenz ist ehemaliger freischaffender Künstler und Dramaturg, er schrieb in der Vergangenheit auch für die taz. Jetzt ist er radikaler Verschwörungsideologe, der die taz als „neofaschistisch“ bezeichnet. Er tritt regelmäßig bei Demonstrationen der vom Verfassungsschutz überwachten „Querdenken“-Bewegung auf. Seine linke Vergangenheit hat er hinter sich gelassen, und spricht ganz auf Linie im Duktus und Narrativen von Lügenmedien und von Eliten gesteuerten Verschwörungen (Quelle). Lenz ist ebenfalls Autor der Verschwörungsseite „Rubikon“. Auch er verbreitete die Lüge, dass bei einer Querdenken-Demo angeblich 1,3 Millionen Menschen teilnahmen, statt wenige zehntausend (Quelle). Bei der extremistischen „Querdenken“ war er von Anfang an dabei.

Zwei Jahre später hat sich Lenz an die Spitze der Corona Proteste gekämpft und sprach letztens vor dem Reichstag zur Menge und verbreitete typische Impfgegner-Narrative.

Von Anfang an hinter der Aluhut-Bewegung

Anselm Lenz war nicht nur von Anfang an dabei, man könnte sogar sagen, dass er hinter den ersten Corona-Protesten steckte, noch bevor „Querdenken“ das Licht der Welt erblickte. Bereits im März 2020 schrieben  die Kolleg:innen von der taz über die Proteste und Lenz (Quelle):

„Hinter dem behaupteten Einsatz für die Grundrechte wie dem Demonstrationsrecht stehen krude Theorien über die Ursachen der Corona-Pandemie. Der Hauptansprechpartner der Gruppierung, Anselm Lenz, der zuletzt auch als freier Autor der taz Berlin tätig war, spricht in einem Video der Aktion von einem „umstrittenen Virus, zu dem es mindestens zwei Meinungen gibt“. Schon zuvor hatte er seine Position in einem langen Beitrag für den Blog Rubikon ausgebreitet, eine Seite, auf der schon die Existenz von Aids geleugnet und das Coronavirus als Folge der Schweinemast dargestellt wurde.“

Coronavirus-Querfront: Keine Abgrenzung nach rechtsaußen

Auch „Belltower News“ schrieb bereits im April 2020 über Lenz (Quelle):

„Seit drei Wochen widersetzt sich ein Demonstrationsbündnis den Einschränkungen und veranstaltet eine illegale „Hygienedemo“, die immer wieder von der Polizei aufgelöst wird. Federführend ist dabei offenbar vor allem der Verein „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“. Einer der Köpfe hinter diesem Verein ist Anselm Lenz, ein Dramaturg, der als Gesicht der Gruppierung auftritt.“

Von Lenz angestoßen, kam dann irgendwann Michael Ballweg und gab der Protest-Bewegung mit „Querdenken“ einen organisatorischen Oberbau. Lenz und sein „demokratischer Widerstand“ spielten in der Hochphase von Querdenken eine untergeordnete Rolle, fungierten vorrangig als Print-Medium der Pandemie-Leugner-Szene. Lenz hielt jedoch die Kontakte zu den bekannten Köpfen der Bewegung, zum Beispiel mit Querdenken Gründer Michael Ballweg, Anwalt Ralf Ludwig und Schwindelarzt Bodo Schiffmann.

Bestens vernetzt mit querdenker – und mit Nazis?

Aber die Drähte reichen nicht nur hinein in die Führungsebene von Querdenken, sondern auch in die rechtsextremistische Szene. Beim kommenden Sommerfest des gesichert rechtsextremen Compact Magazins (Quelle) wird Lenz als Redner auftreten und war bereits auch Gast auf deren Plattform (Screenshot mit Beleg weiter unten).

Anselm Lenz, der Extremist?

Was auch immer Lenz für Position vor Corona vertreten hat, er hat sich in der Pandemie wie viele andere zum radikalen Verschwörungsideologen gewandelt, dem jedes Mittel und jede Rhetorik Recht sind um die Menge aufzupeitschen. Laut Medienberichten soll auch er vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Kein Wunder, so muss er sich wegen des Vorwurfs vor Gericht verantworten, 2020 zum Mord an Angela Merkel aufgerufen zu haben („Wer tötet Angela Merkel?“), den Vorwürfen der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten, des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung (Quelle), 2022 wurde er zusätzlich wegen übler Nachrede verurteilt, weil er Spahn als „kokainsüchtigen Bundesgesundheitsminister“ bezeichnet hatte (Quelle).

Er spricht permanent vom „Corona-Regime“ und einen „vermeintlichen tiefen Staat“ (Anspielung auf die Q-Anon Verschwörungsideologie mit dem Stichwort „Deep State“), der uns in eine Corona Diktatur führe (nachzulesen unter anderem bei Rubikon, die wir hier mit Absicht nicht verlinken). Er bezeichnete die Corona-Regeln als „größten und umfassendsten Angriff auf das Menschenrecht seit 1945“ und sieht einen „Angriff auf unsere Verfassung“. Sogenannte „Architekten eines neuen Gesundheitstotalitarismus“ zielen auf die Unterwerfung des ganzen Planeten ab. Richtig absurder Aluhut-Unsinn also.

Gefangen in diesem Gedankenkonstrukt einer bevorstehenden Corona-Diktatur, sieht er sein Blatt „demokratischer Widerstand“ als „Journalistisches Widerstandsnest“. Dass über zwei Jahre später fast alle Corona-Regelungen aufgehoben wurden, stört die Glaubhaftigkeit dieser Rhetorik offenbar bis heute kein bisschen in der Szene.

Dort publizieren dann Querdenker wie Paul Brandenburg, der einen „Merkel-Faschismus“ herbeifantasierte“, und bei dem man zuletzt Waffen nach einer Razzia beschlagnahmt hatte (Quelle) oder Rechtsanwalt Markus Haintz, der bereits vom Verfassungsschutz beobachtet wird (Quelle).

Was Anselm Lenz mit seinem Pamphlet vorhat: Eine neue Verfassung

Als Querdenken im Jahr 2020 groß wurden sie schon früh als Verfassungsfeinde erkannt. Schließlich wollten sie buchstäblich unsere derzeitige Verfassung abschaffen. Das kam einerseits daher, weil bei den Protesten offen Rechtsextreme mit marschierten und es immer noch tun (mehr dazu) und man sich nicht wirklich davon distanzierte. Es kam aber auch daher, weil Ballweg bei einen der großen Demos in Berlin ankündigte, eine neue Verfassung ausarbeiten zu wollen die unsere ersetzen sollte (mehr dazu).

Veranstalter der Berlin-Demos: Ist „Querdenken“ verfassungsfeindlich?

Corona-Extremisten: Querdenken geben offen Verfassungsfeindlichkeit zu

Monate später traf sich Ballweg dann mit dem rechtsextremen Reichsbürger „König“ Peter Fitzek, um gemeinsame Strategien zwischen Querdenken und dem „Königreich Deutschland“ zu besprechen (mehr dazu, mehr dazu). Jetzt, wo gegen Ballweg ermittelt wird und in Haft sitzt, rückt sich Anselm Lenz mit dem „Demokratischen Widerstand“ mehr in den Vordergrund, wie wir in Berlin live sehen konnten. Und er will anscheinend da weitermachen, wo Ballweg aufgehört hat: Lenz will ebenfalls eine neue Verfassung:

Auf der Seite nichtohneuns.de ist der ganze verfassungsfeindliche Plan niedergeschrieben. Was nett daher kommt, soll eine von Verschwörungsideologen ins Leben gerufene Verfassung werden. Die Rede ist von „Verfassungserneuerung“, was eine Verniedlichung davon ist, dass man unser Grundgesetz abschaffen will.

Dafür soll es in ganz Deutschland Versammlungen geben, wie sie Lenz zuletzt in Berlin abgehalten hat, wo die Leute darüber „abstimmen“ sollen.

Genau wie bei „Querdenken“ und Michael Ballweg handelt, es sich bei Anselm Lenz und dem demokratischen Widerstand offenbar wirklich buchstäblich um „Verfassungsfeinde“, die mit nicht nur mit extremen Rechten paktieren, sondern auch unsere Verfassung ersetzen wollen.

Das Verschmelzen von Querdenkern und Nazis

Jetzt könnte Lenz irgend ein Spinner sein, der es lediglich geschafft hat die schwelenden Überreste der „Querdenken“ Bewegung hinter seiner Zeitung zu versammeln. Doch um die Bewegung nach dem Ende der meisten Maßnahmen und der Offenbarung, das nichts von ihren Horrorgeschichten wahr wurde, am Leben zu halten, wird der Anschluss an die Neonazi-Szene gesucht. Lenz arbeitet zum Beispiel mit Götz Kubitschek zusammen, Chef des rechtextremen Kampfblattes „Sezession“ und Gründer des rechtextremen Think-Tanks „Institut für Staatspolitik“ IfS (Quelle). Lenz, eigentlich mal ein Linker, war zuletzt in Schnellroda und zeigte sich ohne Berührungsängste mit dem rechtsextremen Netzwerk.

Zur Erinnerung: Götz Kubitschek ist einer DER rechtsextremen „Denker“ im Land und es ist ein offenes Geheimnis, dass er der Vordenker hinter dem Faschisten Höcke seinem AfD-Flügel ist.

Der Drahtzieher hinter der AfD & der rechtsextreme Plan zur Machtergreifung

Drei Kommunikationstricks der Neuen Rechten – Wie AfD & Co. Diskurse kapern

Aber Anselm Lenz steht nicht nur in Kontakt mit Götz Kubitschek, sondern auch mit den Rechtsextremen von „Compact“. Hier zu sehen mit deren Chefredakteur Jürgen Elsässer – ebenfalls ein ehemaliger Linker, heute stramm Rechtsextrem – und enger Kooperationspartner von Kubitschek und Tillschneider (AfD).

Und auch ansonsten kennt Lenz offenbar alle in der rechtsradikalen Aluhut-Szene, die von Rang und Namen sind und hat persönlichen Kontakt zu ihnen. Sei es ein Holocaustleugnender Nicolai Nerling, ein immer noch aktiver KenFM (seine Seite heißt jetzt „apolut“), Schauspieler und „die Basis“ Mitglied Volker Bruch oder eben ein Michael Ballweg. Einem Insider aus der Szene zu folge, lässt Ballweg angeblich eigene Gelder in Richtung „Demokratischer Widerstand“ fließen. Bei der zuletzt organisierten Demo vorm Bundestag lagen sich Lenz und Ralf Ludwig (, der als rechte Hand Ballwegs gilt und ihn oft anwaltlich vertritt) in den Armen. Man kennt sich gut. Bei Anselm Lenz kommen alle Corona-extremistischen Fäden zusammen.

Anselm Lenz mit Compact, KenFM, Volker Bruch, Antisemit Holocaustleugner Nerling, Michael Ballweg

Hier eine Auswahl von Belegen für den Austausch und die Treffen von und mit Lenz mit Querdenkern, Verschwörungsideologen oder (Rechts)Extremisten & Co.:

Fazit: Lenz und der demokratische Widerstand stellen sich auf einen „heißen Herbst“ ein

So, warum ist das alles jetzt so wichtig? Es war überraschend zu sehen, dass die Bewegung in Berlin nochmal mobilisieren konnte. Nachdem sich nichts der Panikmache über Maßnahmen oder Impfungen bewahrheitete und nachdem es kaum noch Corona-Maßnahmen gibt – was wollen diese Extremisten eigentlich noch? Das Momentum aufrecht erhalten und ihre wahren Ziele – Sturz der Regierung und Ende der Verfassung – mit anderen Mitteln vorantreiben. Man blickt fast schon vorfreudig darauf, dass Energie- und Heizkosten unter anderem durch Putins Ukraine-Invasion (, die in diesen Kreisen überwiegend verteidigt und relativiert wird), für Unruhen sorgen. Man hofft darauf, das erfolgreich zu instrumentalisieren. Und die Frage stellte sich, wer denn jetzt überhaupt dahinter steckte. Die Antwort liegt auf der Hand: Anselm Lenz und der „Demokratische Widerstand“ sind momentan, was „Querdenken“ von Ballweg für die Bewegung gewesen ist, bevor sich diese Marke verbrannt hat.

Anbahnende Wirtschafts- und Energiekrise, Inflation und so weiter, bieten Potential, dass es bei einer Verschlechterung der Lage viele auf die Straße treiben wird. Die Rede ist von einem „Wut-Winter“.

In diesem Fall stellt der „Demokratische Widerstand“ bereits die organisatorische und kommunikative Infrastruktur, samt Netzwerk zu allen Corona-Extremisten und der rechtsextremen Szene. Hier auch nochmal eindrücklich an der Einladung zum Compact-Sommerfest zu sehen, bei dem unter anderem die Rechtsextremisten Martin Sellner (Identitäre Bewegung), Martin Kohlmann (Freie Sachsen), AfD-Vertreter – und eben auch Anselm Lenz erscheinen.

Die extremistischen Kräfte sammeln sich und bereiten sich gemeinsam auf die kalte Jahreszeit – und die nächste Krise vor, die sie ausschlachten können. Es ist nun in der Verantwortung von Sicherheitsbehörden wie dem Verfassungsschutz, Journalist:innen und Aktivist:innen, die Entwicklungen rund um Anselm Lenz und den „demokratischen Widerstand“ im Blick zu behalten. Die Extremisten sammeln sich hinter ihm, bei Anselm Lenz, der ganz von dem „guten Leben“ spricht, das Querdenker und Rechtsextreme gemeinsam wollen. Und der neuen „Querfront“.

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Artikelbild: Andreas Bergholz

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