Der Weg in den Krieg: Deutsche Medien lügen über den Beschuss von Charkow und werden nicht rot

Von Wladislaw Sankin 

Inzwischen gehört es zu Binsenweisheit, dass moderne Kriege immer die Kriege der Bilder sind. Jede Kriegspartei sorgt dafür, die "richtigen" Bilder in den Köpfen der Menschen festzusetzen. Wie etwa bei der ARD-Tagesschau am Samstag: Der riesige Bombenkrater vorn im Bild und das halb zerstörte Einkaufszentrum im Hintergrund versehen mit der Überschrift "Mehrere Tote beim russischen Angriff auf Charkiw". In dieser Zusammenstellung kann die Meldung als gezielt aufbereitete Vorlage für das Aufwärmen der Debatte um militärische Unterstützung der Ukraine durch die NATO und den Westen dienen.

Ob im Bundestag oder in Talkshows, das Drehbuch für solche Debatten ist immer das Gleiche. Sobald von Friedensverhandlungen mit Russland die Rede ist, zieht ein/e "Strack-Zimmermann" den entscheidenden Trumpf der "grausamen" Russland-Verbrechen. Mit dem Bösen verhandelt man nicht! Denn das Böse schießt ziellos, einfach nur aus Zerstörungswillen. Als Nächstes sind wir dran, denn Putin hasst auch uns. Uns hat er schon den Gas-Hahn abgedreht (Habeck), also müssen wir den Russen mit militärischen Mitteln in der Ukraine jetzt sofort stoppen.

So sieht die Argumentationskette aus, die mit dem Bild eines Kraters anfängt und in einem Krieg endet – womöglich in einem nuklearen NATO-Russland-Krieg. Da sie am Anfang dieser Kette stehen, sind die Medien schlussendlich diejenigen, die über den Krieg oder Frieden entscheiden. Ob es an fehlender Recherche liegt, bewusster Auslassung oder fanatischem Glauben an ukrainischen Edelmut oder russische Heimtücke, dass sie falsch berichten, spielt letztlich keine Rolle. Lüge bleibt Lüge und mit Lügen zieht man in Krieg. 

Das Bild mit dem Krater ist eine Lüge. Denn die Wirklichkeit vor Ort und Stelle ist nicht nur eine andere, sie ist spiegelverkehrt. Noch Stunden zuvor stand an der Stelle des Kraters ein ukrainischer Mehrfachraketenwerfer, beladen mit 16 Raketen, die, gegebenenfalls in jener Nacht auf das russische Belgorod geschossen worden wären. Doch bevor sie zum Abschuss kamen, wurden sie – mitten im Schewtschenkowo-Bezirk im äußersten Norden Charkows – von einer Präzisionsrakete genau an dieser Stelle buchstäblich pulverisiert. Und letztere war mit großer Wahrscheinlichkeit keine umfunktionierte Flugabwehrrakete vom Typ S-300, wie ukrainische örtliche Offizielle meldeten, sondern eine Rakete des Typs Iskander – RT DE berichtete über den Vorfall. 

Russland hat also ein militärisches Ziel getroffen, und zwar äußerst genau und nachweislich. Ebenso nachweislich war auch die Tatsache, dass die Ukraine voll beladene Artilleriesysteme mitten in ein Wohngebiet stellt, was nicht anders als bewusste Provokation zu deuten ist. 

Aber wie kam es dann trotzdem zu dem Trugbild? Die Tagesschau wie auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland und weitere Medien haben in ihrer Meldung einfach den kompletten Wortlaut der örtlichen Regierungsvertreter übernommen, der am frühen Morgen auf Telegram veröffentlicht worden war, und dazu ein Foto der nationalen Polizei. Um 12:54 Uhr war die Tagesschau-Meldung raus. Zu dieser Stunde geisterte aber seit mehreren Stunden im Internet ein Telegram-Video herum, das die ukrainische Version der Ereignisse in ihren Grundfesten komplett untergräbt. Um 10 Uhr wurde auf dem russischen Militärblog "Starsche Eddy" das Drohnenvideo veröffentlicht, das die Zerstörung von zwei ukrainischen Mehrfachraketenwerfern an dem besagten Platz vor dem Einkaufszentrum "Planeta Mall" eindrücklich belegt.

Das Video haben alle russischen militärnahen Kanäle übernommen. In Russland wird nicht jedes Material vom Verteidigungsministerium veröffentlicht, viele Videos werden von Militärs direkt an befreundete Militärblogger oder Kriegsberichterstatter zur Weiterverbreitung übergeben. Diese haben ihrerseits ein Millionenpublikum und stellen ein großes mediales Gewicht dar – größer als Fernsehsender oder Zeitungen – und das wissen die deutschen Medien mit ihren vielen russischsprechenden Mitarbeitern auch. Die Informationen befinden sich buchstäblich einen Klick entfernt. Trotzdem werden sie komplett ignoriert. 

Das ist sträflich, denn diese Medienlügen kosten die deutschen und anderen westlichen Steuerzahler Milliarden Euro und die Ukrainer und Russen unzählige Menschenleben. Womöglich werden sie künftig auch die Leben Deutscher kosten, wenn die Medien ihr Verhalten nicht ändern. 

Dabei ist die Sache ganz einfach: Die Journalisten mögen ja pro Ukrainer sein, sie müssen ihre Überzeugungen deshalb ja nicht ablegen, sie müssen nur ihrem Recherche-Auftrag gerecht werden. Wenn sie das tun, werden sie schnell erkennen, dass die ukrainischen Offiziellen, die sie mit Informationen versorgen, oft nachweislich lügen. 

So wurde in der Tageschau-Meldung der Bürgermeister Igor Terechow als zuverlässige Quelle zitiert. Am frühen Morgen eilte er höchstpersönlich zum Ort des Beschusses, stellte sich am Rand des Kraters vor Journalisten und sagte, dass dies ein Angriff auf zivile Ziele gewesen sei, der sechs Tote und elf Verletzte zur Folge hatte. Fotos und Videos, die die ukrainischen Medien posteten, waren dann so geschnitten, dass man den ausgebrannten Rumpf des zweiten Raketenwerfers, der nur wenige Meter entfernt von dem Krater lag, nicht zu sehen bekommt.

Dieses Verhalten lässt folglich an weiteren Meldungen der Ukrainer zumindest stark zweifeln. Doch, die Tatsache, dass sie lügen, ist zumindest nachvollziehbar. In dem Land herrschen beinahe diktatorische Verhältnisse und Offizielle müssen ihre Kriegspropaganda von Amts wegen verbreiten. Wieso aber ausgerechnet die deutschen Medien diese Propaganda eins zu eins übernehmen, ist dagegen nicht nachvollziehbar. Deutschland steht mit Russland nicht im Krieg. Russland hat weder Deutschland noch ein anderes NATO-Land angegriffen und hat es auch nicht vor. Russland will die Ukraine von NATO-Stellvertreter befreien und sich zu einer Sicherheitskonferenz an den Tisch setzen, wie diplomatisch am Jahreswechsel 2021/22 von Russland vielfach verlangt – nur Wochen und Monate vor der Eskalation im Februar. 

Wenn die deutschen Medien weiterhin die Wahrheit über einen nicht deutschen Krieg derart verdrehen, werden sie eines Tages tatsächlich über einen deutsch-russischen Krieg als Teil eines NATO-Russland-Krieges berichten müssen. Dies dann aber wahrscheinlich nicht lange …

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