WEF in Davos: Der einstige Jahrmarkt der Eitelkeiten stirbt aus

Eine Analyse von Olga Samofalowa

Das Weltwirtschaftsforum, das diese Woche im Schweizer Skiort Davos stattfand, ist nicht mehr das, was es früher einmal war. Und von der Wirtschaft ist auch nichts mehr übrig geblieben. Das sagen nicht nur russische, sondern auch westliche Wirtschaftswissenschaftler.

"Wir sehen, wie es vor unseren Augen stirbt. Viele Menschen wissen, dass dort Unsinn geredet wird – das ist alles. Und dieses Symptom tritt aus allen Ritzen hervor", sagt der russische Wirtschaftswissenschaftler Michail Chasin.

Seiner Meinung nach ist bereits jetzt offensichtlich: Das Bild der Welt hat sich verändert, und die verbliebenen Teilnehmer versuchen darzustellen, dass alles weitergeht wie früher. Das Problem des Forums besteht nicht darin, dass sich dort nur wenige Leute versammelt haben – diesmal waren viele da –, sondern darin, dass die Leute, die die Welt beherrschen, nicht mehr da sind. Es stellte sich heraus, dass sie in Davos nichts zu tun hatten.

Davos wurde nicht nur vom russischen Präsidenten Wladimir Putin, sondern auch von US-Staatschef Joe Biden und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping "übersehen". Außerdem sind nicht nur russische, sondern auch chinesische Unternehmen dem Forum ferngeblieben. Die chinesische Delegation war insgesamt sehr klein. Von allen G7-Mitgliedern ist nur der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz nach Davos gereist. Weder der französische Präsident Emmanuel Macron noch der britische Premierminister Rishi Sunak kamen nach Davos. An zweiter Stelle nach Scholz stand die Vorsitzende der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen.

Ein Rückschlag war jedoch die Absage des Milliardärs George Soros an Davos, der sich auf einen Terminkonflikt berief (eine äußerst seltsame Ausrede, wenn man bedenkt, dass die Konferenz drei Monate im Voraus geplant war).

"Die Abwesenheit der meisten Vertreter der G7, Chinas und Russlands beraubt das Forum seines Charakters als kollektives globales Gremium, das früher strategische Initiativen geprägt hat. Es findet in einer Zeit großer geopolitischer Konflikte statt, sodass die meisten Staats- und Regierungschefs mit ihren eigenen taktischen politischen und wirtschaftlichen Problemen beschäftigt sind", so Denis Perepelitsa, Leiter der Abteilung für globale Finanzmärkte und FinTech an der Plechanow-Universität für Wirtschaft.

Seiner Ansicht nach ist der Stellenwert des Forums auch aufgrund der Krisenphänomene in den USA und Europa und des Verlusts der Initiative der Globalisten auf globaler Ebene gesunken. Perepelitsa erklärt:

"Davos verwandelt sich allmählich in eine regionale westliche Plattform und verlagert den Schwerpunkt von der Behandlung globaler Fragen auf die Bedienung der Interessen der transatlantischen Oligarchie." 

"Das Forum brachte die politischen Vertreter der großen Wirtschaftsmächte, die Chefs der größten transnationalen Unternehmen und die reichsten Vertreter aus aller Welt zusammen. Sie haben über die Globalisierung der Weltwirtschaft diskutiert. In diesem Jahr gibt es auf dem Wirtschaftsforum in Davos praktisch nichts zu bewerten. Die Idee der Globalisierung verliert immer mehr an Bedeutung, da die unipolare Welt allmählich abgeschafft wird, wie die Abwesenheit der Präsidenten und Premierminister der führenden Wirtschaftsmächte der Welt einmal mehr gezeigt hat.

Multinationale Unternehmen werden in einem neuen geopolitischen Umfeld nicht mehr in der Lage sein, alle globalen Märkte zu kontrollieren. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum sich die Zusammensetzung des Forums so verändert hat. Der Schwerpunkt liegt nun auf neuen restriktiven Maßnahmen gegen Russland und militärischer Hilfe für die Ukraine. Aus wirtschaftlicher Sicht kann das Forum daher als ineffektiv bewertet werden", sagt Wladimir Tschernow, Analyst bei Freedom Finance Global.

"Das erste Mal war ich 2001 auf dem Davoser Forum. Und im Laufe der Jahre hat es sich stark verändert. Was damals war und heute ist, ist wie Himmel und Erde", sagt Jomart Alijew, erster Vizerektor der Russischen Staatlichen Sozialen Universität.

"Hier können wir über eine Reihe von Gründen sprechen. Erstens: Das Forum hat seine Bedeutung verloren. Es handelte sich um einen Geschäftsball mit Elementen eines Jahrmarkts der Eitelkeiten, bei dem sie versuchten, Konflikte zu lösen und neue Gesichter vorzustellen. Die auf dem Forum angekündigten neuen Konzepte und Geschäftsabschlüsse sind lediglich Ankündigungen. In Wirklichkeit werden auf dem Forum selbst keine Geschäfte abgeschlossen; sie werden im Voraus getroffen. Dieser Ball ist jedoch in den letzten Jahren nicht mehr relevant.

Die Informationskomponente der laufenden Geschäftskommunikation hat erheblich zugenommen. Die alten Formen der Eitelkeit haben ausgedient. Es gibt jetzt eine andere Ebene der Kommunikation", erklärt er.

Ein zweiter Grund für das nachlassende Interesse an Davos sei das Auftauchen einer großen Zahl von Alternativen, die sowohl vom Format als auch vom Inhalt her relevanter seien, fügt er hinzu.

"Das Sommer-Davos in China zum Beispiel wird wahrscheinlich noch lange Zeit von Bedeutung sein. Es ist eine starke asiatische Plattform, die irgendwann nicht mehr 'Sommer-Davos' heißen wird. Wir können davon ausgehen, dass Russlands eigenes Fernöstliches Wirtschaftsforum aufgewertet wird", so Alijew abschließend.

Übersetzt aus dem Russischen, zuerst erschienen bei Wsgljad.

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