Vor ParteitagSarrazin hält Esken und Walter-Borjans für überfordert

BERLIN. Der Buchautor und ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat die designierten SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken scharf kritisiert. „Norbert Walter-Borjans hat einige Führungsämter gehabt – Kämmerer in Köln, Finanzminister in Nordrhein-Westfalen. In allen Ämtern hat er sich nicht mit Ruhm bekleckert“, sagte Sarrazin am Donnerstag im Sender n-tv. „Diejenigen, die ihn unmittelbar dabei sehen konnten, zum Beispiel seine Beamten, hielten und halten ihn für einen maximalen Versager.“

Auch Esken mangele es an Erfahrung in Führungspositionen. Sie habe ihr bisher höchste Amt als stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats von Baden-Württemberg gehabt, „wo sie es als ihre Aufgabe ansah, den zuständigen sozialdemokratischen Kultusminister maximal zu ärgern. Das war alles, was sie bisher führungsmäßig erfahren hat.“

Die von den SPD-Mitgliedern vorgeschlagene neue Parteispitze halte er „sowohl von ihrer Erfahrung her, als auch von ihren Einstellungen her, wie von ihren Fähigkeiten her für weit überfordert“. In der Führung der Partei sehe er in den vergangenen Jahren „einen ständigen, kontinuierlichen Abstieg“. Die Qualität einer Partei zeige sich nicht, wen sie in ihren Reihen habe, „sondern wen sie nach vorne stellt. Wenn eine Partei diejenigen, die es nicht können, nach vorne stellt, dann hat sie ein großes inneres Problem“.

Union werde hart bleiben

Von dem Parteitag am kommenden Wochenende erwarte sich der Bestsellerautor vor allem Schadensbegrenzung. „Ich glaube, daß der Parteitag davon beherrscht sein wird, Schaden zu vermeiden. Die neue Führung weiß ja, daß sie den Austritt aus der GroKo nicht erzwingen kann. Das kann nur die Bundestagsfraktion tun.“

Die SPD-Bundestagsfraktion wisse, sie dürfe die neue Führung jetzt nicht vorführen. „Insofern werden einige faule Kompromisse dabei rauskommen. Nach dem Motto: Wir müssen unser Profil schärfen, wir müssen sichtbarer werden, wir wollen noch ein bißchen mehr hier und da haben, aber das wird alles nichts helfen, denn die andere Seite darf ja nicht nachgeben.“

Die Union als Koalitionspartner werde dies nicht tun, da sie sonst ihre konservativen Wähler erst recht entfremden würde. „Sie wird also hart bleiben. Dann geht es darum, wer schuld ist, daß die Sache auseinandergeht. Am Ende wird keiner schuld sein wollen, sodaß ich vermute, daß diese Koalition auch noch die nächsten beiden Jahre halten wird.“ (ls)

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