Vom ukrainischen Agenten zum Geld- und Juwelenschmuggler

von Marinko Učur

Das serbische Innenministerium hat einen Tag nach der Festnahme bekannt gegeben, dass zwei Männer, ein ukrainischer und ein deutscher Staatsangehöriger bei dem Versuch festgenommen worden seien, Serbien am Grenzübergang zu Nordmazedonien zu verlassen. Sie werden verdächtigt, sich der Geldwäsche schuldig gemacht zu haben.

Der offizielle Polizeibericht gibt nicht die vollständige Identität der Festgenommenen preis, sondern nur die Initialen – der Ukrainer A.N. (40) und der deutsche Staatsangehöriger A. A. (36). Bei einer Durchsuchung ihres Autos fand die Polizei mehr als 600.000 Euro und 125.000 Dollar in bar, sowie Edelsteine (zwei Smaragde) mit einem geschätzten Wert von etwa 6.500 Euro.

Natürlich hat der ganze Fall sofort das Interesse der serbischen und ukrainischen Medien geweckt. Sie entlarvten sehr schnell die Identität eines der Festgenommenen und begannen, Details aus der Biografie des ukrainischen Staatsbürgers zu veröffentlichen.

Der nun ehemalige Brigadegeneral Andrei Naumow trat 2019 auf Einladung seines Chefs Iwan Bakanow dem ukrainischen Geheimdienst (SBU) bei. Zuvor hatte er zwölf Jahre lang in der Kanzlei des Generalstaatsanwalts gearbeitet. Steil bergauf ging es mit seiner Karriere, denn er wurde bald zum Leiter der Generaldirektion für Innere Sicherheit ernannt, und erhielt somit neue, umfangreichere Befugnisse.

Bereits im Oktober 2020 machte Naumow mit dem Besitz exklusiver Immobilien auf sich aufmerksam, der mit seinem Beamteneinkommen unvereinbar ist. Das wiederum weckte die Neugier ukrainischer Investigativjournalisten. Im Jahr 2021 wurde Naumow dann als potenzielles Opfer jenes Attentats erwähnt, das von dem hochrangigen SBU-Beamten Dmitro Neskromnij organisiert wurde, was als Versuch erklärt wurde, Schlüsseleinfluss und Dominanz in diesem Dienst zu sichern.

Medienberichten zufolge verließ Naumow das Land nur wenige Stunden vor Beginn der militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine am 24. Februar. Seine Familie hatte er wenige Wochen zuvor ins Ausland geschickt. Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij enthob ihn offiziell erst am 31. März von allen Ämtern – mit der Begründung, er habe Hochverrat begangen – und nannte ihn einen "Antihelden", der "den Militäreid gebrochen" habe. Unmittelbar danach wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Hochverrats gegen Naumow eingeleitet.

Am 15. Juni sagte der neu ernannte ukrainische Botschafter in Belgrad, Wladimir Tolkach, in einer Erklärung für den serbischen öffentlich-rechtlichen Sender RTS:

"Naumow hat sich als Bürger der Ukraine bislang nicht persönlich an die Botschaft um Hilfe gewandt, obwohl er jedes Recht dazu hat.

Es ist besser einen entsprechenden Antrag seinerseits abzuwarten, damit die Botschaft die erwartete Antwort darauf geben kann und damit wir diese Angelegenheit unter Beachtung der Gesetze Serbiens und der Ukraine erörtern können."

Der ukrainische Flüchtige Naumow sitzt derzeit im Untersuchungsgefängnis in Niš, einer Stadt in Südserbien, wo sich auch das Serbisch-Russische Humanitäre Zentrum befindet, das dem Westen ein "Dorn im Auge" ist. Serbien steht unter ständigem Druck, dieses Zentrum zu schließen, weil die EU und die USA es als einen Ort wahrnehmen, von dem aus Russland "seinen bösartigen Einfluss auf den Balkan ausbreitet."

Über Naumows Zukunft ist wenig bekannt. Klar ist jedoch, dass laut serbischer Gesetzgebung zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung jeder, der mehr als 10.000 Euro in oder aus dem Land verbringt, das Geld bei der Einreise melden muss. Andererseits reichen die Strafen für die Verbringung von Geldmitteln, die aus kriminellen Aktivitäten stammen, nach dem serbischen Strafgesetzbuch von 1 bis zu 12 Jahren Gefängnis.

Medien und Analysten warnen indes vor der Tatsache, dass Andrei Naumow durchaus im Besitz vertraulicher Informationen ist, "die er mit den serbischen Behörden teilen könnte, im Gegenzug für eine mildere Haftstrafe oder die Vermeidung einer Haftstrafe." Auf der anderen Seite betonen Kritiker des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić, dass die Daten in Naumows Besitz "über den serbischen Polizeiminister Aleksander Vulin an die russische Seite und ihren Geheimdienst durchsickern könnten". Zumal dieser ihren Angaben zufolge als pro-russischer Politiker gilt.

Mehr zum Thema - Präsident Vučić an Kanzler Scholz: "Serbien wird sich dem Sanktionsdruck nicht beugen"

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