Tierquälerei-Vorwurf gegen Ludger Beerbaum: Springreiter-Methoden erneut in der Kritik

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat die in einem RTL-Bericht dargestellten Trainingsmethoden bei Springpferden verurteilt. "Bereits jetzt, unabhängig von dem gezeigten Beitrag, können wir klar sagen, dass der Gebrauch von Vierkantstangen sowie genopptem oder gestacheltem Stangenmaterial inakzeptabel ist und nicht im Einklang steht mit den Grundsätzen des fairen Pferdesports", sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach in einer noch in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme des Verbandes.

Der TV-Sender RTL hatte am Dienstagabend in der Sendung RTL Extra Vorwürfe gegen den Weltklasse-Springreiter Ludger Beerbaum erhoben. In dem Beitrag wurden heimlich aufgenommene Videos einer Insiderin gezeigt, in denen Springpferde für den Profi-Reiter offenbar mit der unerlaubten Methode des sogenannten Barrens trainiert werden. Zu sehen ist, wie den Tieren beim Sprung über ein Hindernis eine Stange gegen die Vorderbeine geschlagen wird. Laut RTL waren dem Sender die Aufnahmen zunächst heimlich zugespielt worden.

Der FN sind die Aufnahmen eigenen Angaben zufolge schon seit längerem bekannt. Im Mai 2021 hatte die Vereinigung mit Sitz in Warendorf bei der Polizei NRW eine Anzeige gegen Unbekannt wegen einer möglichen Verletzung des Tierschutzgesetzes erstattet. Die FN wolle die Staatsanwaltschaft über den RTL-Beitrag informieren, "damit diese den Sachverhalt auf Grundlage des Tierschutzgesetzes bewerten kann".

"Wie wir schon 2020 und 2021 gegenüber RTL zum Ausdruck gebracht haben, nehmen wir die Vorwürfe sehr ernst. Genau deshalb werden wir das am späten Dienstagabend ausgestrahlte Filmmaterial sorgfältig analysieren und anschließend entsprechende Schlüsse zum weiteren Vorgehen ziehen", erklärte der Vorsitzende.

Der Sender trat bereits im Jahr 2020 mit einer Anfrage zum Einsatz von möglicherweise tierschutzwidrigen Methoden im Pferdesport an die FN heran. Als Reaktion darauf richtete der Verband nach eigenen Angaben im Januar 2021 eine Kommission mit Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen des Pferdesports ein. Diese sollte "strittige Trainingsmethoden überprüfen und, wo nötig, Vorschläge für Regelwerksänderungen machen". Das Ziel, bis Ende 2021 Ergebnisse vorzulegen, wurde wegen "der Komplexität des Themas Touchieren" nicht eingehalten.

Immer wieder kommt es zu Berichten über Tierquälerei bei der Behandlung von Tieren im Sport, vor allem hinter verschlossenen Türen. Besondere Empörung rief im vergangenen Jahr der Umgang einer Trainerin und Reiterin beim olympischen Fünfkampf mit einem offenbar unzureichend vorbereiteten Pferd hervor. Vor laufenden Kameras sollte das Tier auf Spur gebracht werden, indem ihm Schmerzen durch Schläge und falschen Trenseneinsatz zugefügt wurden.

Die im RTL-Bericht kritisierten Methoden konnte der FN-Vorsitzende Lauterbach offenbar nicht als direkten Tierschutzverstoß erkennen. Das hat auch damit zu tun, dass die strittigen Methoden teils weiterhin erlaubt sind: "Die Grenzen zwischen dem laut Richtlinien für Reiten und Fahren zulässigen Touchieren und dem gemäß Tierschutz-Leitlinien verbotenen Barren sind fließend."

Lauterbach gab in einem Interview zum Thema außerdem zu bedenken, dass es "bei rund 3.500 Turnieren und mehr als einer Million Starts im Jahr auch Fälle gibt, die nicht geahndet werden". Das sei kaum zu verhindern.

Nach Ansicht des FN-Vorsitzenden bedürfe es des gesamten Video- und Beweismaterials, um im Fall Beerbaum eine "seriöse Beurteilung des Sachverhaltes" vornehmen zu können. RTL hatte allerdings bereits im Frühjahr 2021 mitgeteilt, dass sich das vorliegende Material in der Gesamtlänge nicht von dem unterscheiden würde, was der FN bereits gezeigt wurde.

Der aktuell in Florida weilende Beerbaum jedenfalls kündigte an, gegen die nach seiner Aussage unwahren, "verleumderischen und ehrverletzenden" Vorwürfe des Senders rechtliche Schritte einzuleiten. Bei den gefilmten Szenen handele es sich laut der Reitsport-Koryphäe nicht um das verbotene Schlagen mit einer Stange, sondern um das erlaubte sogenannte Touchieren. "Das Wohlbefinden der Pferde steht für mich und mein Team an erster Stelle. Nur ein Pferd, das richtig behandelt, professionell gepflegt und gefüttert, trainiert und geführt wird, kann im Sport Leistung bringen", zitiert ihn das britische Magazin Horse and Hound. Das Magazin befasst sich nach eigenen Angaben mit der Pferdeindustrie, darunter Pferderennen, die aufgrund der extremen Belastungen samt Verletzungen und Tod der Tiere ebenfalls immer wieder in der Kritik stehen. Dabei geht es um sehr hohe Summen, schon eine nationale Meisterschaft ist mit mehreren Hunderttausend Euro dotiert.

Beerbaum gehört zu den erfolgreichsten Springreitern der Welt. Aufgrund des Dopings von Pferden – das er als Medikation bezeichnet – musste er jedoch bereits einen Titel zurückgeben. Auch wegen schmerzhafter "Trainingsmethoden" stand er schon früher in der Kritik und sorgte im Jahr 2009 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit der Aussage "Erlaubt ist, was nicht gefunden wird" für Empörung. Laut Beerbaum sei im aktuellen Fall zudem "nicht hinzunehmen, dass heimlich auf meinem privaten Grund und Boden gefilmt wurde."

Beim Barren wird einem Pferd im Sprung über ein Hindernis mit einem Stock so auf die Beine geschlagen, dass das Tier annimmt, es sei hart gegen das Hindernis geprallt und somit beim nächsten Sprung die Beine höher nimmt. Namhafte deutsche Reitsport-Größen gerieten nicht nur durch lokale Beobachter und Insider, sondern auch medial in die Kritik für ihren brutalen Umgang mit den bekanntlich sensiblen Tieren. Unter anderem musste der international anerkannte Reitsportler Paul Schockemöhle, bei dem Beerbaum seine Karriere begonnen hatte, öffentlich seinen Imageverlust abwehren, nachdem in einem Video zu sehen war, wie Pferden Stangen gegen die Beine geschlagen wurden, damit sie gegen die Schmerzen anspringen. In den 1990er Jahren musste sich somit die FN mit der Problematik befassen.

Seither hielt das sogenannte Touchieren Einzug in den Sprachgebrauch, was in den Richtlinien für Reiten und Fahren als "fachgerechtes Sensibilisieren des Pferdes durch gezieltes Berühren der Pferde im Sprungablauf" definiert wird. Dazu ist eine Stange von bis zu drei Meter Länge und einem Gewicht von bis zu 2 Kilogramm zulässig. In dem RTL-Bericht wird ein abgebrochenes Vierkantholz gezeigt, das Rückschlüsse auf ein eher brutales "Touchieren" zuließe.

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