Terroranschlag auf die Crocus-Konzerthalle: Zeit, dass der Westen die Rechnung bezahlt

Von Irina Alksnis 

Vielleicht hätten wir darauf vorbereitet sein sollen – der rein terroristische Beschuss der Region Belgorod, der keinerlei militärischen Sinn hat, deutete es schon an. Aber wir waren eben nicht bereit. Und das Problem liegt überhaupt nicht in der Entspanntheit unserer Gesellschaft, die den terroristischen Albtraum von vor 20 Jahren vergessen hatte.

Das Problem ist, dass wir weiterhin glauben, dass unsere Gegner ein Gewissen, moralische Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, und Vorstellungen von Gut und Böse haben. Die Rede ist nicht von den ausführenden Tätern, es ist nicht so wichtig, wer genau das Massaker in der Crocus City Hall verübt hat – Ukrainer, Islamisten oder andere Radikale. Angesichts der Information, dass die Terroristen in Richtung der ukrainischen Grenze unterwegs waren, als man sie stellte, ist jedoch klar, wo die Wurzeln des Terroranschlags zu suchen sind, unabhängig von der Herkunft der Ausführenden.

Die Ermittlungen werden sowohl die ausführenden Täter als auch die Organisatoren des abscheulichen Verbrechens, die Mittelsmänner, ausfindig machen. Die Hintermänner, die wahren Auftraggeber sind jedoch nicht weniger wichtig, und sie befinden sich viel weiter im Westen als Kiew.

Kürzlich erzählte Wladimir Putin in dem Interview mit Tucker Carlson, wie er in den Nullerjahren auf höchster Ebene versucht hatte, an das Gewissen in Washington appellieren, indem er dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush Jr. Beweise dafür lieferte, dass US-Geheimdienste regelrechte Terroristen im Nordkaukasus überwachen und unterstützen. Dies hatte natürlich keinerlei Wirkung.

Es ist bezeichnend, dass der Präsident erst jetzt darüber spricht. Es hätte nichts genützt, wenn solche Informationen vor 20 Jahren an die Öffentlichkeit gelangt wären – man hätte ihm einfach nicht geglaubt, und Moskau wäre zum Ziel eines Informationskriegs geworden, auch eines internen. Man hätte Russland der Lüge, der Fälschung und der Verleumdung der strahlenden und humanistisch-demokratischen westlichen Partner beschuldigt.

Inzwischen hat sich jedoch ein radikaler Wandel vollzogen: Jetzt hat unser Land – und der Großteil der Welt – keine Zweifel mehr daran, wer wirklich hinter den Terroristen steckt, warum der Anschlag geschah und warum gerade jetzt.

Der Westen erleidet in seinem Krieg gegen unser Land eine schwere Niederlage – militärisch, geopolitische und wirtschaftlich –, die ihm nicht nur einige finanzielle Kosten, sondern den vollständigen Verlust aller üblichen Privilegien der globalen Führung einbringt. Darüber hinaus ist die Lage in der Ukraine und auf der Welt insgesamt gerade jetzt so offensichtlich zugunsten Russlands gekippt, dass dem Feind ein schneller Zusammenbruch droht – nicht nur an der Front, sondern ganz allgemein.

Deshalb sind terroristische Methoden ins Spiel gekommen: der ukrainische Beschuss von Zivilisten in den Grenzgebieten und jetzt der Angriff auf die Konzerthalle. Alles verzweifelte Versuche des Westens, den Geist unserer Bevölkerung zu brechen, um seine Ziele doch noch zu erreichen.

Das Ergebnis dieser Bemühungen ist klar: Sie sind zum Scheitern verurteilt. Terror schweißt uns nur noch mehr zusammen, und die riesigen Schlangen an den Bluttransfusionsstationen am Samstag bestätigen dies einmal mehr.

Aber es ist an der Zeit, dass wir, die russische Gesellschaft, endlich die rosarote Brille abnehmen, oder besser gesagt, das, was von ihr noch übrig ist. Der Krieg gegen Russland wird von Kräften geführt, die keine Grenzen und kein Gewissen kennen. Sie sind zu allem bereit – zu absolut allem –, um ihre schwindende Kontrolle über die Welt aufrechtzuerhalten.

Unsere Sicherheitsdienste und Ermittler haben jetzt eine Menge zu tun, doch unmittelbar danach wird es Zeit für politische Konsequenzen.

Vor Jahren hatte Putin gesagt, was Russland gegen Terroristen unternehmen würde – und das Land löst sein Versprechen ein. Es verfolgt diejenigen, denen das Blut unserer Bürger an den Händen klebt, seit Jahrzehnten überall auf der Welt.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn der Präsident sein Versprechen, dass kein Verantwortlicher ungestraft davon kommt, auch auf die Auftraggeber und Drahtzieher des Terrors ausweiten würde – auf bestimmte Herren in teuren Anzügen, die in bequemen Büros auf beiden Seiten des Ozeans sitzen. Es ist an der Zeit, dass auch ihnen die Rechnung präsentiert wird.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 23.03.2024 auf ria.ru erschienen.

Mehr zum Thema - New York Times beweist, dass Moskau recht hat

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