Der Sympathie nicht wert: Die Geschichte des Asow-Bataillons in der Ukraine

Eine Analyse von Jewgeni Norin

Die ukrainische Propaganda hat das in die Länge gezogene, aber letztendlich zum Scheitern verurteilte letzte Gefecht des Bataillons Asow in Mariupol, auf eine epische Ebene erhoben. Die verzweifelten Hilferufe der Kommandeure der Einheiten, die in den Katakomben der Asowstal-Fabrik eingekesselt waren, und die fotogenen jungen Ehefrauen der belagerten Kämpfer, die bei einer Audienz im Vatikan Papst Franziskus anflehten, er möge die Freilassung der Männer aus der Einkesselung vermitteln, fügten dieser seltsamen Episode weiteren Pathos hinzu.

Ein aufmerksamer Zeitgenosse hätte sich dabei jedoch über die unzähligen Tätowierungen mit Nazi-Symbolik wundern können, die auf der Haut vieler Kriegsgefangener des Bataillons zu sehen waren. Unter den Kämpfern der Donezk-Miliz kursierte bald der Witz über die Gefangennahme "einer großen Anzahl von Piraten und Elektrikern", in Anspielung auf die zahlreichen tätowierten Totenköpfe und Blitzsymbole – den weithin bekannten Symbolen der SS-Totenkopf-Division und der Schutzstaffel.

Westliche Medien unternehmen semantische Kapriolen, um zu erklären, dass Menschen mit tätowierten Nazi-Symbolen eigentlich keine Neonazis sind. Es sollte sich jedoch herausstellen, dass das Tragen von Symbolen, die im Zusammenhang mit Adolf Hitlers abscheulichem Dritten Reich stehen, nicht einmal annähernd das Schlimmste aller vom Bataillon Asow begangenen Verbrechen ist.

Die Geschichte des Bataillons geht auf die Zeit vor dem aktuellen Konflikt in der Ukraine zurück. Zwischen 2005 und 2010 war Arsen Awakow Gouverneur der Region Charkow, dem wichtigsten Industriezentrum im Nordosten der Ukraine. Während der Amtszeit von Awakow wurde der Nationalist Andrei Biletsky, bekannt als der "Weiße Führer", in der Region aktiv. Die beiden wurden während der Studienzeit Biletskys zu engen Bekannten. Im Jahr 2005 gründete dieser eine ultranationalistische Organisation mit dem Namen "Die Patrioten der Ukraine", die hauptsächlich aus aggressiven Fußballfans und Kleinkriminellen der Sorte Straßenkämpfer bestand.

Medienberichten zufolge machte sich die Bewegung nicht die Mühe, viel Patriotisches zu unternehmen, sondern beteiligte sich vielmehr an verschiedenen halblegalen und undurchsichtigen Aktivitäten. Biletsky landete schließlich im Gefängnis, allerdings nicht aus politischen Gründen, sondern schlicht und einfach wegen Hooliganismus.

Nach dem vom Westen unterstützten Maidan-Putsch im Jahr 2014 in Kiew, wurde Biletsky als "politischer" Gefangener" der gestürzten Regierung von Wiktor Janukowitsch freigelassen. Er nutzte seine Verbindung zu Awakow, der inzwischen neuer ukrainischer Innenminister geworden war, um ein Bataillon zur Territorialverteidigung für den Kampf im Osten des Landes aufzustellen – heute als Bataillon Asow bekannt.

In der Ostukraine eskalierten die Proteste der Einheimischen in den Regionen Donezk und Lugansk gegen die Maidan-Bewegung zu einer bewaffneten Rebellion. In deren Folge wurde das von Biletsky neu aufgestellte Bataillon beauftragt, die Rebellen in Schach zu halten.

Im Gegensatz zu vielen anderen freiwilligen Einheiten der Territorialverteidigung hatte Asow von Anfang an eine sehr ausgeprägte ideologische Prägung. Es war eine rechtsextreme Organisation, die alle Arten von Neonazis willkommen hieß, von moderaten bis zu radikalen. Die Kämpfer von Asow waren bekannt für ihre Besessenheit von heidnischen Ritualen und wurden von den regulären Militäreinheiten als Spinner betrachtet.

Genau das war es aber, was das Bataillon für seine Aufgabe so geeignet machte. Als Fanatiker schreckten diese Menschen nicht vor dem Töten zurück. Noch bevor im Donbass Milizen gegründet wurden, ermordete Asow eine Reihe pro-russischer Aktivisten. Diese Akte des individuellen Terrors hatten eine Philosophie hinter sich. "Es wird ausreichen, in jeder Stadt etwa fünfzig 'Watniks' – ein abwertender Begriff für diejenigen mit pro-russischen Sympathien – zu töten, um all dem ein Ende zu bereiten", beschrieb sie einer der Kämpfer des Asow.

Am 13. Juni 2014 setzte Asow diese Philosophie in die Tat um, indem es als Teil einer größeren Kampfgruppe eine kleine Einheit der Donbass-Volksmiliz in Mariupol besiegte. Das Bataillon Asow konnte kampfbereite Soldaten und mehrere gepanzerte und bewaffnete Fahrzeuge stellen, während die Miliz in Mariupol schwach und schlecht bewaffnet war. Fünf Aufständische wurden getötet.

Asow und Mitglieder der ukrainischen Sicherheitsdienste hatten keine Hemmungen, während dieser Pattsituation in Mariupol das Feuer auf örtliche Zivilisten zu eröffnen. Es gibt ein Video, das zeigt, wie die Ukrainer mehrere unbewaffnete Menschen durch gezielte Schüsse verwunden und töten. Eines der Opfer war mit einem Plastikstuhl "bewaffnet".

Da Asow jedoch – zumindest formell – nicht Teil der Armee war, nahm das Bataillon nur selten an tatsächlichen Kampfhandlungen teil. Im Sommer 2014 griff eine kleine Gruppe ihrer Kämpfer die Stadt Ilowaisk an. Im Winter 2015 starteten die Kämpfer einen Angriff auf Schirokino, ein Dorf an der Küste des Asowschen Meeres, wo sie mit Offizieren der ukrainischen Armee zusammenarbeiteten, die später erzählten, das Bataillon habe den Eindruck einer undisziplinierten Einheit hinterlassen, mit der man nur schwer fertig wurde.

Bis 2022 hatte Asow also keine ernsthafte Kampfbilanz, mit der es sich rühmen konnte. Als unerschütterliche Anhänger der ukrainischen nationalistischen Ideologie, sollte das Bataillon, das inzwischen in ein Regiment umgewandelt worden war, später jedoch eine bedeutende Rolle im Konflikt mit Russland spielen.

In der Zwischenzeit war um Asow herum eine vollwertige nationalistische Bewegung mit einer Reihe verschiedener Gruppen von Nationalisten entstanden. Biletsky trat schließlich als Kommandant zurück und arbeitete daran, das Regiment in die ukrainische Nationalgarde zu integrieren, wobei er dessen ideologische Ausrichtung beibehielt. Dies wurde schließlich durch die große Anzahl von Nazi-Symbolen und Devotionalien bestätigt, die bei den gefangenen Kämpfern und in den eingenommenen Kasernen des Regiments gefunden wurden.

Der Beweis für die wahre Natur von Asow wird jedoch viel deutlicher in den Berichten des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, ganz zu schweigen von den zahlreichen Medienberichten über kriminelle Vorgänge im Zusammenhang mit dem Regiment. Von Anfang an war Asow aufgrund seines inoffiziellen Sonderstatus und des Status als "gesetzlos" in der Ukraine de facto geächtet und oft in einige der düstersten Ereignisse verstrickt.

Anfangs zog die Einheit vor allem Menschen mit vagen und zweifelhaften Lebensläufen an. Im Bataillon dienten beispielsweise die Mörder der beiden pro-russischen Aktivisten Aleksei Scharow und Artjom Schudow. Die beiden Männer wurden am 14. März 2014 bei Straßenkämpfen in Charkow erschossen – noch bevor der bewaffnete Konflikt im Donbass ausbrach. Ihre Mörder wurden nie identifiziert – wir kennen ihre Namen nicht. Aber wir wissen, dass die Aktivisten aus dem Büro der "Patrioten der Ukraine" heraus erschossen wurden, vor dem sie zu diesem Zeitpunkt standen.

Laut UN-Berichten wurde im Mai 2014 nach einem kurzen Scharmützel ein Zivilist namens Wladimir Lobach in der Nähe der Stadt Poltawa von Kämpfern des Bataillons Asow ermordet. Seine Mörder bedrohten zuerst die Polizisten, die am Tatort eintrafen, und flohen dann einfach. Im Juni desselben Jahres entführten Kämpfer des Asow in Mariupol einen lokalen Zeitungsredakteur namens Sergei Dolgow, der mit der Idee einer Föderalisierung der Ukraine sympathisierte. Über den Verbleib dieses Mannes ist bis heute nichts bekannt.

Laut Berichten des UN-Menschenrechtskommissars war das wohl entsetzlichste Verbrechen von Asow die Gruppenvergewaltigung eines psychisch kranken Mannes durch etwa zehn Mitglieder des Bataillons im Jahr 2014. Das Opfer wurde mit schweren körperlichen und psychischen Traumata ins Krankenhaus eingeliefert. Der Vorfall wurde nie untersucht, die Täter nie vor Gericht gestellt.

Das Bataillon Asow hat eine lange Geschichte von Verbrechen und Vergehen aller Art. Vom Schikanieren Homosexueller und Plünderungen in einem Kriegsgebiet bis hin zu Folter und Mord. Laut Aussagen von Opfern war das häufigste Szenario, dass eine zufällig ausgewählte Person entführt und an einen Ort gebracht wurde, der dem Regiment gehörte. Dort wurde das Opfer gefoltert und gezwungen zu gestehen, Mitglied einer aufständischen Gruppe zu sein. Danach wurde die Person dem ukrainischen Sicherheitsdienst SBU übergeben. Laut den Berichten der Opfer waren zudem oft auch SBU-Mitarbeiter bei den Folterungen anwesend.

Beispielsweise folterten und bedrohten im Mai 2017 Asow-Kämpfer in Mariupol eine Frau, um diese dazu zu bringen, ein Verhörprotokoll zu unterzeichnen, das sie über ihre angebliche Beteiligung an einer Zelle von Aufständischen geschrieben hatten. Das Geständnis wurde vor einer Kamera gefilmt, wobei die Frau gewaltsam nackt ausgezogen wurde. Später wurde sie an den SBU übergeben. In einem anderen Fall berichtete ein Mann, er sei mit Elektroschocks gefoltert worden, wobei elektrische Drähte an seinen Genitalien befestigt wurden.

In der Region Saporoschschje entführten Asow-Kämpfer eine Frau, fesselten sie an Händen und Füßen mit Kabelbindern, traten auf sie ein, schlugen sie mit ihren Gewehrschäften, schoben ihr Nadeln unter die Fingernägel und drohten ihr, sie zu vergewaltigen. Ein Ende Januar 2015 festgenommener Mann berichtete, er sei durch Sauerstoffentzug und Elektroschocks gefoltert worden. Nach einer ganzen Woche dieser Tortur wurde er dem SBU übergeben und "formell" festgenommen. Die UN hat Aufzeichnungen über zahlreiche ähnliche Vorfälle veröffentlicht, die aber vermutlich nur einen Bruchteil der von Asow begangenen Verbrechen ausmachen.

Die seltsame Verbindung zwischen den Asow-Nationalisten und dem SBU ist alles andere als ein Zufall. Dank des Bataillons Asow fanden die ukrainischen Sicherheitsdienste den perfekten Weg, um ihrer Regierung zu beweisen, dass sie im Kampf gegen die pro-russischen "aufständischen Zellen" in Mariupol und der Ostukraine erfolgreich waren – auch wenn es solche Organisationen gar nicht gab.

Die meisten echten Aufständischen und ihre Sympathisanten waren in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete geflohen oder hielten zumindest den Mund über ihre Loyalität. Doch irgendwie war das nationalistische Regiment stets in der Lage, die richtige Anzahl von "Verrätern" zu fangen, sodass die Leistung des SBU auf dem Papier gut aussah.

Auch wenn mittlerweile der Großteil der Streitkräfte von Asow besiegt wurde und sich in Mariupol ergeben hat, bleibt eine bedeutende Gruppe von Nationalisten auf freiem Fuß. Beispielsweise dient die in Charkow gebildete Kraken-Einheit als Spezialeinheit unter der Kommandostruktur des Bataillons. In den letzten Monaten haben sich die Kämpfer dieses neu aufgestellten Regiments bereits einen Namen gemacht, indem sie vor laufenden Kameras russischen Kriegsgefangenen in die Beine schossen.

Kurz gesagt, Asow ist trotz aller westlichen und ukrainischen Bemühungen, seine Kämpfer als heldenhafte Verteidiger der Freiheit darzustellen, die abscheulichste Gruppe, die seit 2014 im Land operiert hat.

Übersetzt aus dem Englischen.

Jewgeni Norin ist ein russischer Historiker mit Fokus auf Russlands Kriege und internationale Politik.

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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