Roskosmos-Chef Rogosin über Scholz: Jetzt kommen wieder Deutsche und spucken uns ins Gesicht

Die Äußerungen des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz über Russland und die Ukraine im Kontext der Bewaffnung und Ausbildung der ukrainischen Armee haben in Russland bereits für viele kritische Schlagzeilen gesorgt. Auch der ehemalige Politiker und langjährige Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos Dmitri Rogosin nahm dazu Stellung – in der von ihm moderierten Sendung Es ist einfach Kosmos auf Radio Sputnik.

So nannte er Scholz' Worte, dass Deutschland gezwungen sei, der Ukraine Waffen zu liefern, "völlig flegelhaft". "Wir dachten, dass es eine Entnazifizierung Deutschlands und der ganzen nazistisch-faschistischen Achse gegeben hat", merkte er dabei an. In seiner am 12. Mai auf YouTube veröffentlichten Sendung, in der er ein Gespräch mit dem Historiker Jewgeni Spizin führte, nahm Rogosin zu folgenden Aussagen von Scholz Stellung: 

"Es muss einen Waffenstillstand geben, die russischen Truppen müssen sich zurückziehen. Es muss eine Friedensvereinbarung geben, die der Ukraine ermöglicht, sich in Zukunft selbst zu verteidigen. Wir werden sie so ausrüsten, dass ihre Sicherheit garantiert ist." (Interview mit Spiegel vom 22. April). 

Auch Auszüge aus anderen Auftritten las der Moderator im Laufe des Gesprächs vor.

"Gemeinsam mit unseren Partnern in der EU und in der NATO sind wir uns völlig einig: Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen. (...) Stoppen Sie den Beschuss der ukrainischen Städte. Machen Sie sofort einen Waffenstillstand möglich. Ziehen Sie Ihre Soldaten aus der Ukraine ab, und führen Sie ernsthafte Verhandlungen mit der Ukraine. Stoppen Sie diesen schrecklichen Krieg." (Pressekonferenz vom 19. April)

"Putin will ein russisches Imperium errichten. Er will die Verhältnisse in Europa nach seinen Vorstellungen grundlegend neu ordnen." (Die Rede des Kanzlers vor dem Bundestag am 27. Februar)

Als weiteres Zitat fügte Rogosin hinzu: 

"Er (Putin) hat Deutschland von seiner historischen Schuld freigesprochen."

Dieses angebliche Zitat macht seit dem 27. Februar die Runde im russischen Internet und ist offenbar einem journalistischen Fehler geschuldet. Er geht auf die Kurzzusammenfassung der Scholz-Rede des russischsprachigen Portals OstWest aus Berlin zurück. Der falsche Satz wurde erst am 2. März aus dem Text entfernt.

"Jetzt hat er (Scholz) großes Interesse daran, Russland zu schwächen. Haben wir den Deutschen nicht zu früh verziehen?", fragte Rogosin seinen Gesprächspartner, den Historiker Spizin. 

"Ich denke, ja. Wir haben ihnen zu früh vergeben und sie zu früh an den Tisch der großen Politik gelassen. Leider haben wir eine Art Vergebungskomplex, der viel mit unserem nationalen Charakter zu tun hat", antwortete Spizin, der zu den bekanntesten Historikern Russlands gehört. 

Die beiden Gesprächspartner wiesen auf die Erinnerungen ihrer Eltern hin, die erzählt hatten, dass die russischen Frauen und Kinder aus Mitleid mit deutschen Kriegsgefangenen mit ihnen das Essen geteilt hatten, obwohl sie selbst gehungert hatten.

"Das ist höchste Flegelei, für so was müsste man eigentlich die diplomatischen Beziehungen abbrechen", sagte Spizin im Hinblick auf die Forderungen des Bundeskanzlers an Russland und erinnerte an die Rolle, die Deutschland bei den Balkan-Kriegen spielte, bis hin zur Bombardierung Jugoslawiens. 

Laut Spizin hätte die Siegermacht Sowjetunion angesichts des Leids und der Verwüstung, die Hitlerdeutschland dem Land zugefügt hatte, jedes Recht gehabt, Deutschland als Staat von der Weltkarte zu tilgen oder es auf mehrere Kleinstaaten von der Größe Österreichs aufzuteilen. Die UdSSR habe stattdessen die Errichtung eines geeinten und neutralen Deutschlands angestrebt. Es sei auch an die berühmte Aussage des sowjetischen Staatsmannes Josef Stalin aus dem Befehl Nummer 55 vom 23. Februar 1942 zu erinnern:

"Die Erfahrungen der Geschichte besagen, dass die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt."

Bei seinem eigenen Kommentar zu Scholz nahm Roskosmos-Chef Rogosin auch kein Blatt vor den Mund. Er wies zunächst darauf hin, dass der deutsche Bundeskanzler zum ukrainischen Beschuss des Donbass und der Tötung friedlicher Bürger geschwiegen habe. Dann sagte er mitten im Gespräch: 

"Wir vergeben alles, und jetzt spucken die uns ins Gesicht, deren Großeltern unser Land einst ausraubten und mordeten. (...) Ich denke, damit wir zu einer echten Vereinbarung kommen, auch mit den Deutschen, müssen wir sagen, dass ihr nichts dafür getan habt, dass wir euch verzeihen."

Sowohl Rogosin als auch der eingeladene Historiker waren der Meinung, dass die Entnazifizierung vor allem im westlichen Teil Nachkriegsdeutschlands sehr mangelhaft gewesen sei, was dazu geführt hatte, dass ehemalige Wehrmachtsoffiziere das Kernstück der Bundeswehr gestellt und viele ehemalige NSDAP-Mitglieder später hohe Ämter in der Bundesrepublik und bei der NATO bekleidet hatten. Rogosin wies auch darauf hin, dass die Reparationszahlungen an die Sowjetunion nach dem Krieg nur einen Bruchteil der errechneten Kriegsschäden und des Werts der von Nazideutschland beschlagnahmten Güter darstellten.

Auf die heutige Währung übertragen seien sie sogar niedriger gewesen als die vom Westen eingefrorenen russischen Vermögenswerte in Höhe von 300 Milliarden Dollar. Nun könnten sie von der EU ganz entwendet und der Ukraine für die Finanzierung des Wiederaufbaus übergeben werden.

Wie schon erwähnt, ging Rogosin in seiner Sendung davon aus, dass Russland Deutschland durch seine Invasion in die Ukraine laut Scholz von seiner historischen Schuld "freigesprochen" habe. Solch eine Äußerung tätigte Scholz nicht. In seiner Fernsehansprache anlässlich des Tages der Befreiung am 8. Mai nahm Scholz aber durchaus auf Deutschlands historische Verantwortung Bezug. Er sagte:

"Das Schweigen der Waffen am 8. Mai 1945 glich einer Friedhofsruhe – über den Gräbern von mehr als 60 Millionen Frauen, Männern und Kindern. Millionen von ihnen sind auf den Schlachtfeldern gefallen. Millionen sind in ihren Städten und Dörfern, in Konzentrations- oder Vernichtungslagern ermordet worden. Deutsche haben dieses Menschheitsverbrechen verübt."

Dann wandte Scholz den russischen Ansatz der "Entnazifizierung" der Ukraine als eines der Ziele der Militäroperation in sein Gegenteil:

"Präsident Putin setzt seinen barbarischen Angriffskrieg sogar mit dem Kampf gegen den Nationalsozialismus gleich. Das ist geschichtsverfälschend und infam. Dies klar auszusprechen, ist unsere Pflicht."

Zu Deutschlands Pflicht gehört laut Scholz nun auch die massive militärische Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen Russland:

"Und wir haben erstmals überhaupt in der Geschichte der Bundesrepublik Waffen in ein solches Kriegsgebiet geschickt, in großem Umfang – und immer sorgfältig abwägend auch schweres Gerät. Das setzen wir fort."

Er betonte, dass Putin den Krieg nicht gewinnen werde. Die Unterstützung der Ukraine sei ein Vermächtnis des 8. Mai.

Unterschiedlicher kann nun das russische und das deutsche Geschichtsverständnis nicht mehr sein. Russland betrachtet die Ukraine als zutiefst faschistisches Land, das neonazistische Trupps gegen Andersdenkende wüten lässt, die blutigsten Nazikollaborateure zu Freiheitshelden verklärt und mit allen Mitteln versucht, die Erinnerung an den Sieg der Sowjetunion über Nazideutschland zu tilgen. Deutschland betrachtet Russland dagegen quasi als Wiedergänger Nazideutschlands und sieht in dessen Bekämpfung ein hehres moralisches Ziel. Von der Betrachtung des jeweils anderen als unmittelbaren Kriegsgegner trennt die beiden Staaten nur noch ein Schritt.

Mehr zum Thema - Rede zum 8. Mai: Bundeskanzler Scholz instrumentalisiert das Vermächtnis

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