Nord Stream in den Medien: Russland war es – oder doch die USA?

Sowohl die alternativen als auch die großen deutschen Medien sind sich im Hinblick auf die Vorgänge um Nord Stream einig. Drei von vier Strängen der Ostsee-Pipeline Nord Stream wurden beschädigt. Einigkeit herrscht auch darüber, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Sabotageakt handelt. Aufgrund des Aufwands sowohl an Planung als auch an Anforderungen im Hinblick auf die Durchführung kommt eigentlich nur ein staatlicher Akteur in Betracht. Auch in diesem Punkt sind sich die großen und die jungen Medien in Deutschland einig. 

Dann aber wird man sich schnell uneinig. Die großen deutschen Medien deuten in Richtung Russland als Verursacher. 

Es ist eine klare Zweiteilung erkennbar. Die Portale außerhalb des Mainstreams lassen in unterschiedlichem Ausmaß auch den Gedanken zu, dass es sich um einen anderen Akteur handeln könnte. Einige erkennen ein machtpolitisch begründetes und vor allem bereits bekundetes Interesse der USA an der Ausschaltung von Nord Stream. 

In den großen deutschen Medien kommen die USA dagegen lediglich als Hinweisgeber vor, der andeutet, in welche Richtung zu ermitteln sei. Unter anderem weist der Spiegel darauf hin, Berlin hätte vom US-amerikanischen Geheimdienst bereits im Sommer Hinweise auf mögliche Anschläge auf die Pipelines erhalten. Die taz zitiert wie auch die Tagesschau den norwegischen Militärexperten und Marineoffizier Tor Ivar Strømmen, für den ausschließlich Russland als Akteur infrage kommt. Die taz war durchaus schon kritischer im Umgang mit O-Tönen aus dem Umfeld westlichen Militärs. 

Im Mainstream vielfach zitiert wird der CDU-Politiker und Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter. Beispielsweise gibt der Focus die Meinung Kiesewetters wieder, der ebenfalls von einem russischen Sabotageakt ausgeht. Die FAZ zitiert ihn weitergehend: Kiesewetter geht von Staatsterrorismus des russischen Staates aus, der seiner Meinung nach zur hybriden Kriegsführung Russlands passt. Hinterfragt wird die These nicht. Die FAZ gibt neben Kiesewetter noch der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) Raum. Wenig überraschend vermutet auch sie Russland hinter den Sabotageakten. 

Das ZDF lässt Janis Kluge vom steuerfinanzierten Thinktank Stiftung Wissenschaft und Politik zu Wort kommen. Auch er ist sich sicher, dass eigentlich nur Russland infrage kommt. Das ZDF fragt nicht weiter nach.

Wesentlich kritischer sind die kleinen und alternativen Medien, die in diesem Zusammenhang den deutlich besseren Job machen. Jens Berger von den NachDenkSeiten benennt ihn klar: "Der Elefant im Raum" sind natürlich die USA. Auch die Junge Welt deutet in Richtung der Vereinigten Staaten. 

Belege gibt es dafür zahlreiche. Nicht zuletzt hat der US-Präsident Joe Biden bereits im Februar versprochen, Nord Stream 2 zu "beenden". Der ehemalige Außenminister Polens, Sikorski, dankte den USA gestern in einem Tweet für die Zerstörung der Pipeline. Auch das Portal Telepolis lässt den Gedanken zumindest zu, die USA könnten hinter dem Sabotageakt stecken. 

Die Plausibilität liegt dabei eindeutig nicht aufseiten des Mainstreams. Der größte Profiteur der Sabotage sind die USA – sowohl wirtschaftlich als auch machtpolitisch. Sie sind auch zur Ausführung in der Lage. Selbst die Argumentation, Russland würde Energie als Waffe einsetzen, entlarvt sich schnell als wenig stichhaltig. Wesentliche und zur Funktion der Pipeline notwendige Teile der Infrastruktur befinden sich in Russland und damit in russischen Händen. Russland hat es selbst unter dem Aspekt, die europäische Abhängigkeit von russischem Gas ausnutzen zu wollen, überhaupt nicht nötig, die gesamte Infrastruktur zu zerstören. Es reicht, in Russland den Gashahn zu schließen. Man muss, um den gleichen Effekt zu erzielen, nicht die Röhren sprengen. Der Erpressungslogik zufolge wäre es zudem logisch, wenn die Leitung unversehrt bliebe, damit sie nach Erreichung der Ziele wieder in Betrieb genommen werden kann. Ansonsten ergibt Erpressung überhaupt keinen Sinn. 

Die großen deutschen Medien zeigen gerade im Vergleich, dass sie zu einer tatsächlich neutralen Berichterstattung nicht in der Lage sind. Selbst dann nicht, wenn die Argumente auf der Hand liegen. Die Verdächtigungen westlicher Politiker und Thinktanks in Richtung Russland bedürften zumindest einer kritischen Würdigung. Die Berichterstattung sagt mehr über die ideologische Einbettung des Mainstreams aus. Der Punkt für den besseren Journalismus geht an die kleineren Medien. 

Vielleicht noch ein Nachsatz. Im Neuen Deutschland, das mit dem Slogan "Journalismus von links" wirbt, kommt Nord Stream trotz der Brisanz überhaupt nicht vor. Vermutlich wegen interner Uneinigkeit. Das ist allergings selbst im Vergleich mit dem nicht wirklich guten deutschen Mainstream ein journalistisches Totalversagen. 

Mehr zum ThemaRealitätsverweigerung: Schlechte Nachrichten für Baerbock, Lanz und andere Märchenerzähler

benji Karaffe Alladin Gold + 2_Becher Gold

Es gibt neue Nachrichten auf friedliche-loesungen.org
:

Nur wer angemeldet ist, geniesst alle Vorteile:

  • Eigene Nachrichten-Merkliste
  • Eigener Nachrichtenstrom aus bevorzugten Quellen
  • Eigene Events in den Veranstaltungskalender stellen
M D M D F S S
 
1
 
2
 
3
 
4
 
5
 
6
 
7
 
8
 
9
 
10
 
11
 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
30