Live im TV zu sehen: Israelische Armee bombardiert erneut Hochhaus in Gaza-Stadt

Die israelischen Streitkräfte haben im Rahmen ihrer fortgesetzten Angriffe auf den palästinensischen Gazastreifen ein Hochhaus gesprengt, das Büros von internationalen Medienorganisationen beherbergt hat. 

Betroffen sind nach ersten Erkenntnissen unter anderem der katarische Sender Al Jazeera sowie die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Die israelische Armee informierte etwa eine Stunde vor dem Angriff den Eigentümer des Hochhauses, sodass sich die Personen in dem Gebäude in Sicherheit bringen konnten. Aufgrund der Vorankündigung war der Luftangriff und der daraus resultierende Einsturz des Gebäudes live im Fernsehen zu sehen. 

Das elfstöckige Gebäude hatte eine Reihe von Büros internationaler Medienorganisationen, Privatwohnungen sowie verschiedenen Firmen beherbergt. Es wurde von vier Raketen der israelischen Luftwaffe getroffen und stürzte anschließend in sich zusammen. Bereits am Dienstag hatte das israelische Militär ein 13-stöckiges Hochhaus in Gaza-Stadt zerstört. Auch in diesem Fall sollen die Bewohner zuvor gewarnt worden sein.

Einem libanesischen Journalisten zufolge versuchte der Eigentümer, die Verantwortlichen der israelischen Armee zu überreden, den Journalisten zu erlauben, vor dem Angriff ihre Ausrüstung und Archive aus dem Gebäude zu retten. Die israelische Armee soll diese Bitte jedoch direkt abgelehnt haben.

Al Jazeera verurteilte den israelischen Angriff inzwischen aufs Schärfste. Dr. Mostefa Souag, stellvertretende Generaldirektor des Senders, erklärte:

"Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, solche barbarischen Aktionen und Angriffe auf Journalisten zu verurteilen, und wir fordern eine sofortige internationale Aktion, um Israel für seine vorsätzlichen Angriffe auf Journalisten und Medieninstitutionen zur Rechenschaft zu ziehen."

Der Nahostkonflikt eskalierte Anfang Mai, nachdem ein israelisches Gericht die Vertreibung vier palästinensischer Familien aus ihren Häusern in Ostjerusalem gebilligt hatte. Dort sollen nun jüdische Siedler einziehen. Völkerrechtlich sind solche Handlungen seitens eines Besatzungsstaates strengstens verboten. 

Anschließend kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften innerhalb der besetzten Gebiete im Westjordanland. Die israelischen Sicherheitskräfte erstürmten dabei die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem, die drittheiligste Stätte des Islams nach Mekka und Medina. 

Die Hamas und andere militante Palästinensergruppen hatten daraufhin mit Raketenangriffen auf Israel begonnen. Die israelischen Streitkräfte schlugen mit Luftangriffen auf den Gazastreifen zurück. Bisher starben insgesamt mehr als 100 Menschen bei den Auseinandersetzungen, die meisten davon in den palästinensischen Gebieten.

Mehr zum ThemaWie der Gazakonflikt die Bruchstellen der israelischen Gesellschaft offenbart

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