Kunst und Wein: Moskauer Bürgermeister erlaubt den Verkauf von Alkohol in Museen

Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin hat ein Dekret unterzeichnet, mit dem das Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken in Gastronomiebetrieben von Museen aufgehoben wird. Nun dürfen Museumscafés und -restaurants Bier, Cidre und Wein sowie andere Getränke mit einem Alkoholgehalt von höchstens 16,5 Prozent verkaufen.

Bis zum 31. Dezember 2022 gilt die Regelung, danach kann sie verlängert werden. Die Maßnahme wird als Experiment bezeichnet: Sie soll die Unternehmen in der neuen wirtschaftlichen Situation unterstützen und die Einnahmen der Museen erhöhen.

Jedoch gilt die Erlaubnis nicht für Bundesmuseen und Museumsreservate, deren Besucher die Kunst weiterhin ohne ein Glas Wein genießen müssen. Das Kulturministerium begründete den Ausschluss der föderalen Museen von dem Erlass mit Sicherheitsbedenken: Man wolle Vorfälle wie den in der Tretjakow-Galerie im Jahr 2018 vermeiden, als ein Vandale ein Gemälde von Ilja Repins schwer beschädigte. Nach eigenen Angaben des Täters seien es 100 Gramm Wodka gewesen, die ihn zu der Tat bewogen hätten. Den Alkohol habe er in einem Museumscafé konsumiert.

Mit der neuen Regelung reihen sich die Museen der russischen Hauptstadt in eine weltweite Museumstradition ein, in der ein Ausstellungsbesuch längst mit einem Prosecco-Frühstück oder einem Abendessen mit einem Glas Wein verbunden werden kann. Die Weinkarten in den Museumsrestaurants sind längst ein Mittel, um das Angebot zu erweitern und die Wettbewerbsfähigkeit der Museen zu erhöhen.

Das Kunsthistorische Museum in Wien verfügt zum Beispiel nicht nur über ein Restaurant, in dem eine Vielzahl von Weinen serviert wird, sondern veranstaltet Dienstagabends auch das sogenannte "Kunstschatzi" – ein Event, bei dem sich die Kuppelhalle des Museums in eine riesige Cocktailbar verwandelt. Das Rijksmuseum Amsterdam beherbergt ein Gourmet-Restaurant mit Michelin-Sternen und einer nahezu 20-seitigen Weinkarte, auf der Weine aus aller Welt stehen, die von Top-Sommeliers ausgewählt wurden. Im belgischen Bokrijk-Park, der Pieter Bruegel gewidmet ist, kann man es ein spezielles dunkles Starkbier kosten, das nach alten Rezepten gebraut wird.

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