Ich habe den AfD-Werbespot zur Brandenburg-Wahl geschaut, damit ihr das nicht müsst

Der AfD Werbespot für brandenburg analysiert

Ich habe mir die Mühe gemacht und den Wahlwerbespot der AfD zur Landtagswahl in Brandenburg geschaut – eines vorweg: Es ist kein cineastisches Meisterwerk, dafür aber immerhin ein Meisterwerk in Sachen Propaganda. Der etwa einminütige Clip beginnt mit harmonischer Musik und einen Flug über ein (vermutlich in Brandenburg liegendes) Gewässer. Dazu ertönt folgendes Satz von einer – wie soll es auch anders sein – männlichen Stimme: „Brandenburg ist unsere Heimat. Mit seiner Landschaft, seinen Städten und seinen Menschen.“

Der Zuschauer bekommt eine Stadt zu sehen und anschließend per Timelapse beschleunigte Fußgänger in einer Fußgängerzone. In fetten, weißen Buchstaben wird das Wort „HEIMAT“ eingeblendet. Wer die AfD kennt, weiß, dass „unsere“ in „unsere Heimat“ selbstverständlich „Biodeutsche“ und keine Ausländer, Journalisten oder „links-grüne Gutmenschen“ meint. Weiter im Clip: Plötzlich ist es vorbei mit der Harmonie.



Brandenburg vor dem Untergang?

Die Fußgängerzone wird in dunkles Licht getaucht und der Sprecher verkündet mit unheilvoller Stimme: „Doch diese Heimat droht zu verschwinden. Ganze Regionen sterben aus und verfallen. Busse fahren nicht mehr. Ärzte verschwinden“. Dabei wird in fetten, weißen Buchstaben „VERFALL“ eingeblendet und die harmonische Musik weicht plötzlich schneller und chaotischer. Es folgt die Nahaufnahme einer rostigen Kette, die vor einem verlassenen Fabrikgebäude baumelt.

Anschließend wird eine mit Unkraut bewachsene vermeintliche Bushaltestelle, inklusive Bank und schmutzigem Schild, gezeigt. Dann noch ein Zahnarzt, der (erneut im Zeitraffer) eine Patientin behandelt, ehe es dunkel wird und beide die Praxis verlassen, nachdem der Zahnarzt die Vorhänge zugezogen hat. An dieser Stelle spielen die Macher des Clips auf ein verbreitetes Narrativ im Rechtsextremismus an.

Dieses besagt, Deutschland, oder in diesem Fall Brandenburg, stehe vor dem Untergang. Der gesprochene Text, gepaart mit der chaotische Musik und der sich verdunkelnden Stadt, mögen diesen Eindruck unterstützen, die Bilder enttarnen die apokalyptischen Weißsagungen jedoch als starke Übertreibung, die ein Bedrohungsszenario erschaffen und Ängste schüren soll.

Hübsche Frauen und Angst

Weiter heißt es im Clip: „Wir wollen die Infrastruktur stärken – Mit vernünftiger Verkehrsanbindung und Internetausbau.“ Dabei wird ein Bus aus der Vogelperspektive gezeigt, der zwischen Feldern fährt. Das Schlagwort „INFRASTRUKTUR AUSBAU“ erscheint, die Musik ist angenehm dynamisch. Die nächste Szene zeigt eine junge, äußerst attraktive Frau im Bus, während sie sich leicht lächelnd einen Kopfhörer ins Ohr steckt. Hübsche Frauen ziehen immer bei der hauptsächlich männlichen Wählerschaft, das wissen natürlich auch die Macher des Clips.

Ein erneuter Schnitt. Dieses Mal auf eine leere Spielplatzschaukel. Der Sprecher verkündet: „Junge Familien sind wachsendem Druck ausgesetzt. Kinder werden zum Armutsrisiko.“ Erneut in fetten, weißen Buchstaben erscheint „ARMUTSRISIKO“ auf dem Bildschirm. Hierdurch sollen natürlich Zukunftsängste geschürt und ein zusätzliches Bedrohungsszenario geschaffen werden. Als nächstes bekommt der Zuschauer eine Holzoberfläche zu sehen, über der sich offensichtlich ein Mann und eine Frau die Hände reichen.

Familie – nur für deutsche

Anschließend kommt eine deutlich kleine Hand dazu. Diese Szene symbolisiert das eingeschränkte Verständnis des Wortes „Familie“, zu der nach den Vorstellungen der intoleranten Rechtsextremisten immer Mann, Frau und möglichst viele Kinder gehören. Dazu heißt es: „Wir stehen zur traditionellen Familie. Mit einem Familiendarlehen von 25.000€ wollen wir allen den Kinderwunsch ermöglichen“. In fetten, weißen Großbuchstaben wird „25.000€ FAMIELIENDARLEHEN“ eingeblendet.

Mit „allen“ sind in diesem Fall natürlich nur alle „Deutschen“ gemeint. Das ergibt sich aus dem Parteiprogramm der AfD Brandenburg unter „7. Willkommenskultur für Kinder“. Der Begriff „Wunschkind“ bekommt hierbei eine völlig neue Bedeutung und sollte zu „Jackpotkind“ umgewandelt werden. Der Sprecher verkündet weiter: „Die Altparteien haben unsere Heimat einer unkontrollierten Einwanderung ausgesetzt, die unsere Art zu leben gefährdet.“

Angstmache vor den bösen ausländern

Es ist der Oberkörper einer Frau zu erkennen und deren Hand, womit sie nach einer Dose Pfefferspray greift, welche sie sich in die Manteltasche steckt, bevor sie die Wohnung verlässt. „SICHERHEIT“ erscheint in der Bildmitte und wird durch ein „UN“ zu „UNSICHERHEIT“ ergänzt. Die Musik wird wieder dramatischer. Zwar wird sexualisierte Gewalt an Frauen hier nicht explizit mit Einwanderung in Verbindung gebracht, aber doch wird eine solche Verbindung unmissverständlich angedeutet.

Auch hierin ist ein beliebtes Narrativ des Rechtsextremismus zu erkennen, in dem Einwanderer zu potentiellen Sexualstraftätern gemacht werden. „SCHLUSS MIT GELDLEISTUNGEN“ erscheint in fetten, weißen Buchstaben auf dem Bildschirm und eine große Gruppe ausländisch aussehender Menschen gehen durch das Bild. Dann erscheint ein startendes Flugzeug und erneut in fetten, weißen Buchstaben ist “ABSCHIEBUNGEN“ zu lesen.

Während der beiden Szenen sagt der Sprecher: „Schluss mit den Geldleistungen für Asylbewerber und endlich konsequente Abschiebungen von illegalen und Kriminellen.“ Auch diese Szenen dienen der Erzeugung eines Bedrohungsszenario durch Zuwanderer. Außerdem wird erneut das Narrativ des „kriminellen Asylbewerbers“ bedient.

Verzerrte realität und propaganda mit emotionen

In der letzten Szene tritt Andreas Kalbitz mit seiner, an Himmler erinnernden Brille, ins Bild und bringt sich, wie es sich für einen rechtsextremene Populisten gehört, gegen das „politische Establishment“ in Stellung, indem der ehemalige Soldat befiehlt:

„Sorgen sie dafür, dass nicht unsere Heimat, sondern die Macht der Altparteien schwindet. Wählen sie am ersten September mit beiden Stimmen AfD!“ Insgesamt zeichnet das Wahlwerbespot der AfD ein düsteres Bild, eines angeblich kurz vor dem Zerfall stehenden, durch Ausländer und „den Altparteien“ geschundenen Brandenburgs, welches nur durch die Wahl von Rechtsextremisten gerettet werden könne.

Dass in Brandenburg gerade einmal 6% der Bürger einen Migrationshintergrund haben und sexualisierte Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt, welches in den meisten Fällen von Familienmitgliedern oder Bekannten des Opfers begangen wird, bleibt im Video unerwähnt. Ebenso werden wirtschaftliche Zukunftsängste aus dem Zusammenhang der ungerechten Vermögensverteilung gerissen und implizit in Zusammenhang mit Migration gebracht. Der Wahlwerbespot bedient also gängige Rechtsextreme Narrative, schafft Bedrohungsszenarien und vermittelt somit ein stark verzerrtes Bild der Realität. Er leistet, was Propaganda leisten muss.

Gastbeitrag von „Nazifresser“, hier auf Twitter. Artikelbild: Screenshot facebook.com

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