Geschlagen und erniedrigt: Prozess gegen Vater der isolierten Familie in den Niederlanden eröffnet

Im Falle der über Jahre auf einem niederländischen Bauernhof isoliert lebenden Familie wurde am Dienstag der Prozess eröffnet. Der Anklage zufolge soll der Vater seine sechs Kinder über Jahre hinweg misshandelt haben. Der Niederländer Gerrit Jan van D. habe sie neun Jahre lang "psychisch gefangen gehalten", erklärte Staatsanwältin Diana Roggen am Dienstag in Assen vor Gericht. "Es sind Straftaten gegen Kinder in einer extrem abhängigen Situation."

Der Fall wurde Mitte Oktober 2019 bekannt, nachdem der älteste Sohn in einer Dorfkneipe um Hilfe gebeten hatte. Beamte entdeckten daraufhin hinter einem Schrank auf dem Bauernhof einen geheimen Raum.

Wie die Anklage verlauten ließ, wollte der Vater seine Kinder von der Welt fernhalten und drohte ihnen bei Kontakt mit der Außenwelt mit "bösen Geistern". Die Kinder sagten demnach, dass sie auch geschlagen und getreten wurden. Weitere Strafen seien das Zudrücken der Kehle und stundenlanges Sitzen in kaltem Wasser gewesen. Oder sie hätten tagelang kein Essen bekommen. 

Theoretisch hätten die Kinder, heute sind sie zwischen 18 und 25 Jahre alt, den Hof verlassen können. "Aber manchmal ist ein Schloss am Tor nicht nötig", so die Staatsanwältin. Das System aus psychischem Druck, Angst und Gewalt war als Riegel stark genug. Die Kinder wurden nie bei Behörden gemeldet, gingen nie zur Schule oder zum Arzt. Sie kannten nur die von ihrem Vater geschaffene Welt. 

Auf der Anklagebank sitzt auch der Österreicher Josef B., der den Hof im niederländischen Dorf Ruinerwold angemietet hatte. Er soll die Familie versorgt und finanziert haben. 5.000 bis 8.000 Euro monatlich soll er zu diesem Zweck von einem österreichischen Konto abgehoben haben.

Josef B. bezeichnete sich beim Verhör als "Jünger" des Niederländers und glaubt bis heute an dessen zusammengebastelte Religion. Die hatte van D. in den vergangenen Jahren mit Dutzenden Videos und Einträgen im Internet verbreitet. Als "John Eagle" propagierte er ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur, fernab von der "unreinen" Außenwelt. Er nannte sich "Auserwählter".

Dem Österreicher und dem 58-jährigen Vater der Kinder werden Freiheitsberaubung und Geldwäsche vorgeworfen. Das Gericht verlängerte die Untersuchungshaft für beide Männer um weitere drei Monate. Van D. ist nach einem Schlaganfall gelähmt und erschien nicht vor Gericht. Das ordnete eine medizinische Untersuchung an, um zu klären, inwieweit er vernehmungsfähig sei. Der Österreicher B. wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer "Hexenjagd". 

Der 67-Jährige van D. soll eine Tochter und einen Sohn im Alter von damals zwölf bis 15 Jahren mehrfach vergewaltigt haben, wie es in der Anklage heißt. Den Missbrauch habe er damit gerechtfertigt, dass ein "weiblicher Geist" oder der Geist ihrer toten Mutter in die Kinder gefahren sei. Die Mutter der Kinder war bereits 2004 gestorben. Das Hauptverfahren wird möglicherweise erst nach dem Sommer eröffnet.

(dpa/rt)

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