Der Fall der "heiligen Javelina": Warum sich die Javelin in der Ukraine als ineffektiv erwies

Von Iwan Jerofejew

Fast gleich nach dem Beginn der Spezialoperation in der Ukraine haben die USA angefangen, an die ukrainischen Streitkräfte Panzerabwehrlenkraketen vom Typ FGM-148 Javelin zu liefern. In Kiew entstand ein regelrechter Kult der Javelin als einer universalen "Vergeltungswaffe", die buchstäblich sämtliche russische Panzerfahrzeuge vernichten werde. Später wich die Begeisterung der Kritik. RT stehen interne Arbeitsunterlagen der Firma Raytheon zu Verfügung, welche die Javelin herstellt. Wie sich herausstellte, ist das System nicht so gut, wie von Werbeflyern für den Auslandsmarkt angepriesen.

"Ja, wir hatten die Javelin, gewiss … Sie haben sich nicht als besonders großartig erwiesen, besonders nicht bei Stadtkämpfen. Wir konnten sie kein einziges Mal abfeuern. Meiner Meinung nach ist es eine absolut nutzlose Waffe, denn immer ist irgendetwas da, was stört", klagte der gefangene Kommandant der 36. Marineinfanterie-Brigade der Streitkräfte der Ukraine Oberst Wladimir Baranjuk. Er nahm an Kampfhandlungen in Mariupol teil und wurde nach einem Ausbruchsversuch vom Gelände des Werks "Asow-Masch" gefangen genommen.

"Man hat uns zwei Javelin gebracht. Als wir sie aus dem Auto trugen, ist eine kaputtgegangen. Bei der zweiten versuchten wir später herauszufinden, wie man damit schießt. Jemand las die Instruktion, ein anderer sah es sich auf YouTube an. Englisch sprach von uns keiner, und erklärt wurde es uns auch nicht", berichtete ein ukrainischer Gefangener, der in der Nähe von Popasnaja gefangen genommen wurde.

Wunderwaffe gegen russische Panzer

Insgesamt lieferte Washington nach dem Beginn der Spezialoperation über 7.000 Javelin-Systeme in die Ukraine. Die Lieferungen waren so umfangreich, dass die Vorräte dieser Panzerabwehrraketen in den USA selbst zu Neige gingen, wie das US-amerikanische Nachrichtenportal Business Insider berichtete. Zusätzlich sind die Javelin sehr teuer – ein System kostet zusammen mit sechs Raketen etwa 600.000 US-Dollar.

Nach dem Beginn der Lieferungen im März bis April 2022 entstand in der Ukraine ein regelrechter Kult um diese Waffe. Neugeborene wurden nach der Panzerabwehrrakete benannt, auf Hauswänden wurden "Ikonen" zu Ehren der "heiligen Javelina" gemalt. Die FGM-148 galt als Wunderwaffe, Allheilmittel und Schrecken der russischen Panzer.

Das System war von der US-Armee im Jahr 1996 in den Dienst gestellt worden. Nach Absicht der Hersteller sollte es zwei Schlüsselprobleme der "Infanterie der Zukunft" lösen.

Das erste Problem ist die lange Vorbereitung zum Abfeuern. Damit sich der Schütze möglichst kurz in direkter Sichtweite des Panzers befinde, wurde die Javelin mit einer Rakete mit einem selbstansteuernden Raketenkopf ausgestattet. Mithilfe eines optischen Visiers "zeichnet" das Programm die Umrisse des Ziels, dessen Koordinaten in den Datenspeicher der Rakete eingespeist werden. Der Schütze kann den Knopf abdrücken und seine Stellung verlassen. Danach arbeitet das System selbstständig.

Das zweite Problem ist die Garantie einer Zerstörung des Ziels. Hierfür veränderten die Hersteller die Flugbahn der Rakete. Die Javelin behielt die Möglichkeit eines direkten Angriffs, aber zu ihrer Besonderheit wurde der Anflug auf das Ziel von oben und der Einschlag ins Dach des Panzers.

Auf dem Papier sah alles sehr überzeugend aus.

Acht von elf Schüssen – daneben

Offenen Angaben zufolge kann die Schussweite der FGM-148 bis zu fünf Kilometer betragen. Doch in den internen Unterlagen des Herstellers Raytheon, die RT zur Verfügung stehen, ist die maximale Reichweite doppelt so klein, gerade 2,5 Kilometer.

Dabei steht die Javelin in Reichweite den alten Systemen BGM-71 TOW aus dem Jahr 1970 (bei Letzteren beträgt die Reichweite 3,7 Kilometer) und selbst schweren Mörsern nach. Freilich haben die Mörser einen schwächeren Einschlag. Außerdem beachtenswert: eine TOW ist zehn bis zwölf Mal billiger als eine Javelin und kostet laut offenen Angaben 45.000 bis 50.000 US-Dollar.

In einem Fragebogen aus einem internen Dokument von Raytheon, der von US-amerikanischen Veteranen der Kampagnen in Irak und Afghanistan ausgefüllt wurde, ist angegeben, dass etwa ein Drittel der Versuche, eine Javelin abzufeuern, "von Problemen begleitet" worden sei. Es ist wichtig, anzumerken, dass die Rede von geschulten US-Soldaten ist, die eine Ausbildung an der Javelin erhalten und auf Schießplätzen geübt hatten. Selbst sie hatten unter Gefechtsbedingungen Probleme.

Im Bericht für Raytheon wird festgestellt, dass die Effektivität der Javelin von der deklarierten abweiche. So führten von elf Testschüssen der FGM-148 auf ein stationäres Ziel lediglich drei zu dessen Abschuss.

Im Hinblick auf die Effektivität ist die Javelin den Testergebnissen der TOW wenig überlegen. Dabei sind auch Letztere kaum beeindruckend: zwei Treffer bei 14 Schüssen.

Der Bericht enthält auch weitere bemerkenswerte Angaben. So steht darin etwa, dass ein frontaler Schuss auf einen russischen T-80-Panzer aus 150 Meter Abstand einen "minimalen Effekt" habe.

Die Quellen der RT im Gebiet der Spezialoperation in der Ukraine fügen hinzu, dass ukrainische Militärangehörige trotz öffentlicher Angaben zur Reichweite der FGM-148 das System aus kleinen Abständen einzusetzen versuchten und dabei unausweichlich ins Blickfeld der Panzerbesatzung gerieten. Geschossen wurde meistens nicht ins Dach, sondern frontal.

Besonderer ukrainischer Kontext

Im Juni hatte Alex Horton, ein Analytiker der Washington Post, einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Möglichkeit der Ukraine, die Javelin effektiv einzusetzen, prinzipiell infrage stellte.

Nach dem Erhalt der Lieferungen ließen ukrainische Militärangehörige die teuren Elektrogeräte und Raketen fallen, verwahrten die FGM-148 in feuchten Kellern, schüttelten die Waffenkisten und zerbrachen die Optik der Kontrollmodule CLU. Dies schloss nicht nur eine sofortige Einsatzbereitschaft der Javelin aus, sondern ihr Einschalten als solches.

Die überwiegende Mehrheit der Raketen ist laut Quellen von RT mit entladenen Akkumulatoren in die Ukraine eingetroffen. Die Batterien sind ins Gehäuse eingebaut und für das Einschalten des Panzerabwehrsystems sowie den Betrieb des Lenkteils und des Kühlsystems des selbstansteuernden Raketenkopfes notwendig. In den meisten Fällen ließen ukrainische Militärs die Raketen im intakten – aber eben nicht einsatzbereiten – Zustand liegen, da sie entladen waren.

Zusätzlich verfügten die aus den USA gelieferten Systeme nicht über Schulmodule. Die ukrainischen Kämpfer waren gezwungen, mit scharfer Munition zu üben.

Die Schwierigkeit der Nutzung und die Fragilität der Systeme wurden zu Schlüsselfaktoren, die einen großflächigen Einsatz der FGM-148 ausschlossen. Statt der amerikanischen Raketen zogen die ukrainischen Streitkräfte es vor, sowjetische RPG-7 einzusetzen, deren Munition aus mehreren europäischen Staaten, darunter Tschechien und Bulgarien, geliefert wurde.

Nach Meinung des Militärexperten Dr. Konstantin Siwkow hatten die ukrainischen Streitkräfte nicht gelernt, die Javelin einzusetzen:

"Dies ist ein kompliziertes System. Es ist nur unter bestimmten Bedingungen effektiv. Vor einem Kampfeinsatz ist eine Reihe von Prozeduren notwendig. Es kann nur von einer qualifizierten und geschulten Armee eingesetzt werden, zu denen die ukrainische nicht zählt. Dabei hat der Gefechtskopf der Rakete aus diesem System eine kleinere Durchschlagskraft als die sowjetischen Panzerabwehrraketen. Im Grunde ist die Rakete nur bei einem Beschuss von oben effektiv. Dabei ist es nicht immer möglich, auf diese Weise auf Panzer zu schießen. Bei starker Hitze versagt die Rakete oft. Insgesamt hat sich das System als schlecht erwiesen."

Übersetzt aus dem Russischen.

Mehr zum Thema - Laut US-Sender kommen 70 Prozent der westlichen Waffen nicht bei Truppen an

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