Das Ende einer Ära? Saudi-Arabien verlängert 50-jähriges "Petrodollar"-Abkommen mit den USA nicht

Der Deal versprach zunächst Vorteile für beide Seiten: Die Saudis verkaufen Öl ausschließlich gegen US-Dollar, und Washington unterstützt Riad, auch mit Waffen. Diese Zusammenarbeit verhalf Saudi-Arabien schließlich zum Aufstieg und zu einer wichtigen geopolitischen Rolle nicht nur in der Region, sondern auch in der Welt. Und den Vereinigten Staaten ermöglichte sie, zum Welthegemon aufzusteigen. Mit Hilfe des Petrodollars. Pawel Sewostjanow, Staatsrat und außerordentlicher Professor am Lehrstuhl für politische Analyse und soziale und psychologische Prozesse an der Russischen Wirtschaftsuniversität Plechanow, erklärt in einem Gespräch mit RIA Nowosti:

"Das Abkommen ermöglichte es den USA, garantierte Mengen an Rohstoffen zu einem guten Preis zu erhalten und Embargorisiken zu vermeiden, während Saudi-Arabien einen intellektuellen und technologischen Verbündeten gewann und extrem reich wurde."

Riads Weigerung, das Abkommen zu verlängern, war schon lange erwartet worden. Letztes Jahr warnte beispielsweise der saudische Finanzminister Mohammed Al-Dschadan auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos davor. Einer der Gründe dafür war natürlich die Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten selbst – die enorme staatliche Auslandsverschuldung und das Doppeldefizit, das eine rasche Abwertung der Landeswährung zur Folge haben könnte. Aber der eigentliche Hauptgrund, so die Experten, sei der Versuch der USA, den US-Dollar in eine Waffe zu verwandeln und Russland damit zu "bestrafen" – und zwar mittels beispielloser Sanktionen. Jessica Marie Baumgartner schreibt zum Beispiel in einem Artikel für das US-Magazin The Federalist:

"Letztes Jahr hat die Heritage Foundation die Schwächung des US-Dollars auf die US-Sanktionen gegen Russland zurückgeführt. Der Wirtschaftswissenschaftler Peter St Onge stellte fest: 'Als Folge der beispiellosen US-Sanktionen gegen Russland, die als Vergeltung für Wladimir Putins Sondereinsatz in der Ukraine gedacht waren, wurden die mit Russland befreundeten Länder von Brasilien bis Saudi-Arabien vom Dollar weg und in die Arme der von China angeführten Anti-US-Koalition der BRICS-Staaten getrieben.'
'Wegen dieses verstärkten Drucks aus China sinkt der Anteil des US-Dollars am Welthandel. Heute werden nur noch 40 Prozent des Welthandels in Dollar abgewickelt – im Vergleich dazu waren es vor einem Jahrzehnt noch 52 Prozent', betonte St Onge.
Benn Steil, Direktor für internationale Wirtschaft beim Council on Foreign Relations, pflichtete ihm bei: 'Die größte Bedrohung für die Dollar-Dominanz geht nicht von konkurrierenden Alternativen aus, sondern von der US-Regierung selbst.' Steil zufolge haben 'von Washington initiierte Sanktionen' andere Länder in wirtschaftliche Bedrängnis gebracht und sie gezwungen, 'ihre Verbindungen mit dem US-Finanzsystem zu reduzieren'."

Der Ausstieg aus dem Petrodollar-Vertrag ist also eine Risikodiversifizierung in Zeiten der geopolitischen Instabilität und der US-Sanktionen. Dieser Schritt wird weitreichende Folgen sowohl für die USA als auch für die Welt haben, da er einer tektonischen Verschiebung gleichkommt.

Wirtschaftswissenschaftler betonen, dass die Aufkündigung des ein halbes Jahrhundert alten Abkommens ein ernsthafter Schritt ist, schreibt die Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Der weltweite Trend zur Verwendung anderer Währungen im internationalen Handel wird sich verstärken:

"Russland, Iran, Saudi-Arabien, China und andere Länder gehen bei der gegenseitigen Verrechnung zunehmend zu nationalen Währungseinheiten über. Im Jahr 2023 wurden bereits 20 Prozent des weltweiten Öls nicht mit US-Dollar gekauft.

Jetzt können die Saudis das schwarze Gold für jede beliebige Währung verkaufen. Insbesondere mit China verhandelt Riad seit langem über eine Zahlung in Yuan. Eine solche Diversifizierung ist besonders wichtig, da Saudi-Arabien bereits mit einem Bein in den BRICS-Staaten steht. Beobachtern zufolge wird Riad die frei werdenden Kapazitäten dorthin lenken.

Der US-Dollar wird schneller an Einfluss verlieren und folglich werden die US-Finanzmärkte schwächer werden."

Dem stimmt auch Jessica Marie Baumgartner zu. Das Ende des Petrodollars untergräbt die Stärke der US-Währung weiter und wird zu mehr Inflation führen, "sobald die ausländischen Inhaber des US-Dollars ihr Geld zurückholen", betont sie. Baumgartner ist sich sicher:

"Wenn die BRICS-Staaten weiter expandieren und der US-Dollar unaufhaltsam nicht nur an Wert, sondern auch an Ehre und Respekt verliert, droht der amerikanische Wohlstand selbst auf dem Schafott zu stehen."

Mehr zum Thema - US-Hegemonie ist offiziell vorbei

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