Das Ende aller Illusionen: Der Westen führt einen Krieg zur Zerstörung Russlands

Von Wladimir Kornilow

Vorhang auf für Butscha 2.0: Eine weitere Scharade Kiews, bei der kurz nach dem Abzug russischer Truppen angeblich "Massengräber" entdeckt wurden. Diesmal in der Stadt Isjum. Erneut läuft es auf einen klaren Beweis hinaus, dass sich mit dem anhaltenden militärischen Konflikt in der Ukraine die informelle "Sonderoperation" gegen Russland intensiviert. Es geht dabei nicht einmal um Kiews Handlungsweise. Offizielle Stellen erfinden dort ununterbrochen und rund um die Uhr primitive Fake News gegen den russischen Staat und seine Armee.

Ein Indikator dafür ist die Art und Weise, wie diese Fake News umgehend von westlichen Politikern aufgegriffen werden, die bereits ein "internationales Tribunal" zur Bestrafung Russlands fordern, während die Massenmedien des Westens in einem koordinierten Vorstoß unbewiesene Behauptungen über "Massenhinrichtungen und Folter in Isjum" auf ihre Titelseiten bringen.

Diese neuste Propaganda-Kapriole ist krass und wäre leicht zu widerlegen. Aber aus der einhelligen Reaktion des Westens geht hervor, dass dort niemand mehr daran interessiert ist, wie und wann die auf dem Friedhof begrabenen Menschen ums Leben gekommen sind. Der Schuldige wurde im Voraus bestimmt. Und es musste Russland sein. Denn nur dieses Urteil passt in die Gesamtstrategie der westlichen Medienkampagne rund um die Ukraine.

Genauer betrachtet hat all dies jedoch nichts mit der Ukraine zu tun. Dem Westen ist völlig gleichgültig, was diesen Ukrainern widerfahren ist oder wie sie zu Tode gekommen sind. Dem Westen ist es vollkommen egal, wie viele Ukrainer sterben mussten, weil er keinen Krieg an der Seite der Ukrainer führt. Und schon gar nicht für die Interessen der Ukraine.

Wir müssen uns dieser Sache klar werden: Der Westen führt einen erbitterten Krieg gegen den russischen Staat, wobei er ukrainische Streitkräfte und ukrainische Bürger als Kanonenfutter einsetzt und dies mit dem Feigenblatt der "Verteidigung der Demokratie" verdeckt.

Was der Westen jedoch wirklich will, ist die Zerstörung Russlands. Bis in alle Ewigkeit. Unwiderruflich.

Janusz Bugajski hat kürzlich sein Buch "Failed State: A Guide to Russia’s Rupture" (Gescheiterter Staat: Ein Leitfaden für Russlands Zusammenbruch) veröffentlicht. Hervorzuheben ist, dass dieses Buch nicht als Antwort auf den Ukraine-Konflikt geschrieben wurde, sondern eine logische Fortsetzung all dessen ist, worüber dieser "Kreml-Logiker" seit Jahren spricht und schreibt. Bereits Anfang 2019, drei Jahre vor dem Beginn von Moskaus Intervention in der Ukraine, veröffentlichte er in der einflussreichen Washingtoner Zeitung The Hill einen Leitartikel mit dem Titel "Managing Russia’s Dissolution" (Handhabung der Auflösung Russlands).

Bugajskis Buch war nicht bloß die theoretische Spekulation eines Tagträumers. Hierin fordert ein ausgesprochener Russophob direkt zum Handeln auf. Es genügt daran zu erinnern, dass Bugajski das Weiße Haus offen aufgefordert hat, die regionale und ethnische Selbstbestimmung innerhalb der Russischen Föderation zu unterstützen. Gleichzeitig spekulierte er darüber, welche Regionen des vom Westen zerstörten russischen Staates die Unabhängigkeit erhalten und welche an die Ukraine, Finnland, Japan und sogar China gehen sollten.

Man kann nicht sagen, dass Bugajskis Leitartikel in The Hill die einzige theoretische Gedankenarbeit über den Zerfall des russischen Staates ist. Aber andere Schriften, zumindest jene, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, versuchen noch immer, unverhohlene Aufrufe zur Auflösung des russischen Staates mit dem Argument zu beschönigen, dass man den russischen Staat lediglich schwächen will. So etwa in einer aufsehenerregenden Studie der US-Denkfabrik RAND, die im Jahr 2019 im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums publiziert wurde.

Nun aber sind die Masken gefallen und der Kader der Russophoben kann seine lang gehegten Träume offen artikulieren. Die britische Zeitung Daily Telegraph hat kürzlich einen Artikel des ehemaligen Oberkommandierenden der NATO in Europa General Ben Hodges veröffentlicht. Hierin vermittelt der General seine Gedanken zur Vorbereitung auf den Zerfall Russlands. Hodges, der bei CEPA, einer Agentur für Lobbyismus, die von US-Waffenherstellern und der NATO finanziert wird, angestellt ist, ist derzeit wohl eine der aktivsten Figuren in den westlichen Medien zur Krise in der Ukraine.

In seinem Leitartikel bringt der General die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Zusammenbruch des russischen Staates durch dessen ethnische Vielfalt geschürt wird und westliche Wirtschaftssanktionen eine Situation schaffen werden, in der es unmöglich sein wird, 144 Millionen Menschen zu ernähren. Der US-Amerikaner hat offenbar nicht darüber nachgedacht, wie man diese Denkweise auch auf sein Heimatland übertragen könnte, das in den vergangenen Jahren von Rassenunruhen erschüttert wurde.

In den Rängen unter Hodges wurde die Idee dankbar von weniger bekannten Persönlichkeiten aufgegriffen, die auf dem ideologischen Feld der Russophobie operieren. Das polnische Magazin New Eastern Europe veröffentlichte einen Artikel über die "Dekonstruktion Russlands" und den "Wiederaufbau des postrussischen Raums" und nannte dies ein riskantes, aber unvermeidliches Szenario. Die Autoren fordern den Westen auf, den Zerfallsprozess des russischen Staates sofort einzuleiten.

Auf der Webseite des Atlantic Council wiederholte der kanadisch-britische Professor Taras Kuzio diese Forderung. Der Atlantic Council ist eine der NATO nahestehende Interessengruppe und ein wichtiges Sprachrohr westlicher Russophoben. Auch Kuzio erklärte feierlich, dass der Prozess des "Zusammenbruchs von Putins russischem Imperium" begonnen habe.

Wladimir Juschkin aus Estland, ebenfalls ein Top-"Kreml-Logiker", wiederholte Hodges' Thesen auf der Webseite des Internationalen Zentrums für Verteidigung und Sicherheit fast wortwörtlich. Allerdings fügte er den Unsinn über eine sich angeblich anbahnende "Kolonisierung Sibiriens durch die Chinesen" hinzu. Dies zeigt uns, dass er nicht weiß, wie man Statistiken interpretiert.

Estlands Präsident Alar Karis verbreitete all diese vermeintlichen Prophezeiungen in den Kreisen der Politik. Bei der Eröffnung einer Konferenz des Militärausschusses der NATO in Tallinn ermahnte er die Stabschefs der US-geführten Militärallianz, ihre "Angst vor einer Destabilisierung der Situation in Russland" zu überwinden. Karis ist kein General im Ruhestand wie Ben Hodges oder eine Privatperson im Rang eines Professors wie Taras Kuzio. Es handelt sich um das Staatsoberhaupt eines Landes, das Mitglied der NATO ist. Und er scheut sich nicht, das Oberkommando der Militärallianz aufzufordern, eine Politik zur Schaffung von Instabilität in Russland zu verfolgen.

Welchen Beweis braucht man also noch für das, was der kollektive Westen zu erreichen hofft?

Der ideologische Prüfstein der europäischen Liberalen, das Magazin The Economist, hat seine neueste Ausgabe der Frage gewidmet, wie der Westen den Sieg der Ukraine über Russland sicherstellen sollte. Neben den traditionellen Ratschlägen zur weiteren Aufrüstung des Kiewer Regimes fordert das Magazin ausdrücklich, dass der Westen einen Keil zwischen die russische Regierung und das russische Volk treibt. Zu diesem Zweck werden die westlichen Staaten aufgefordert, ihre Karten auf die russischen Liberalen zu setzen, die ins Ausland gegangen sind und unter diesen Umständen in Russland getrost als Verräter bezeichnet werden können. Diese finden sich jetzt in einer Situation wieder, in der Russlands Feinde offen darüber sprechen, sie zu benutzen, um den völlig unrealistischen Plan auszuführen, Russland in mehrere Teile aufzulösen. Daher können wir mit Sicherheit sagen, dass der kollektive Westen bereits vom Reden zum Handeln übergegangen ist und offen die bloße Existenz der Russischen Föderation in Frage stellt.

Die Ideologen des Westens und etliche seiner Spitzenpolitiker machen keinen Hehl daraus, dass sie durch die Instrumentalisierung des Ukraine-Konflikts bewusst dazu beitragen wollen, eine existenzielle Bedrohung für den russischen Staat zu schaffen. Je früher Russland dies erkennt, desto effektiver werden die Beziehungen zu seinen Nachbarn und umso effektiver kann die Militäroperation in der Ukraine in eine andere Phase übergehen.

Russland hält sich noch immer an gewisse Spielregeln, auf die man sich nach dem Ende des Kalten Krieges geeinigt hatte. Aber jetzt wurde der Einsatz zu hoch angesetzt. Um es klar zu sagen: Ich fordere nicht dazu auf, sich der kriminellen Handlungen der Ukraine zu bedienen. Anders als die Ukraine ermordet Russland nicht vorsätzlich Kinder oder foltert Kriegsgefangene oder vernichtet ziviles Leben.

Aber angesichts der zunehmenden Bedrohungen gegen russische Bürgerinnen und Bürger bleibt dem russischen Staat nichts anderes übrig, als noch konsequenter gegen militärische Infrastruktur in der Ukraine vorzugehen. Gegen Zentren, wo Entscheidungen gefällt werden und direkt gegen jene, welche für Terror und Mord verantwortlich sind. Wo immer sie sich aufhalten. Sowie gegen jene Staaten, die eine feindselige Politik gegenüber Russland verfolgen.

Schließlich sollte man nicht vergessen, dass Russland im Falle einer existenziellen Bedrohung hart reagieren wird. Jene, die Russland bedrohen, sollten daran erinnert werden.

Aus dem Englischen.

Wladimir Kornilow ist ein sowjetischer, ukrainischer und russischer Politologe, Geschichtswissenschaftler, Journalist, Schriftsteller und gesellschaftlicher Aktivist. Politischer Beobachter bei der russischen Internationalen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja. Ehemals Leiter der Ukrainischen Filiale des Instituts der GUS-Staaten in Kiew und Leiter des Zentrums für eurasische Studien in Den Haag. Führt eine Telegram-Kolumne zu aktuellen politischen Nachrichtenanlässen.

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