An diesem Wochenende wird wieder umgestellt

An diesem Wochenende ist es wieder so weit. Die Uhren werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag umgestellt. Und zwar von Sommer- auf Winterzeit, also eine Stunde zurück. Nach einer repräsentativen Umfrage bereitet diese halbjährliche Übung 29 Prozent der Deutschen regelmäßig körperliche oder psychische Probleme. Sie fühlten sich schlapp und müde oder hätten Einschlaf- und Durchschlafstörungen. So ist es wohl nur wenig überraschend, dass 76 Prozent der Befragten die Umstellung für überflüssig halten und sie gern abgeschafft sähen.

In einer EU-weiten Online-Erhebung hatten sich 2018 sogar 84 Prozent der Befragten für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen. Allerdings war diese Umfrage nicht repräsentativ. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich vor allem diejenigen daran beteiligten, die eine Abschaffung wünschen. Und so kamen von den insgesamt 4,6 Millionen Teilnehmern immerhin drei Millionen aus Deutschland. Der damalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verkündete dennoch: "Die Zeitumstellung gehört abgeschafft."

Im März 2019 sprach sich dann das EU-Parlament dafür aus, die Umstellung bis 2021 zu beenden. Doch nun liegt die Entscheidung bei den Regierungen der Mitgliedstaaten, und da gibt es einen Haken. Denn ungeklärt ist bislang, ob dauerhaft auf Winter- oder auf Sommerzeit umgestellt werden soll. Zwar gilt die Winterzeit als "eigentliche" Zeit, aber letztlich sind das zu einem gewissen Grad alles Konstrukte bzw. Vereinbarungen. Und das gilt umso mehr, wenn man die Größe der Zeitzonen bedenkt. In EU-Europa gibt es davon immerhin drei. Die größte von ihnen, die der mitteleuropäischen Zeit, reicht von Polen bis nach Spanien.

Bei einer dauerhaften Sommerzeit würde es somit im Winter im Westen und Nordwesten der Zeitzone erst am Vormittag hell. Bei einer dauerhaften Winterzeit würde im Sommer die Sonne dagegen im Osten bereits in den frühen Morgenstunden aufgehen. Insofern wären die Folgen einer Änderung des Status quo durchaus nicht ganz unbeträchtlich. Nach Auffassung der Vizepräsidentin des EU-Parlaments Katarina Barley brauche es jetzt jemanden, der "das Heft in die Hand nimmt", wie sie der Saarbrücker Zeitung mitteilte. Dabei sei die deutsche Ratspräsidentschaft eine "gute Gelegenheit". Den fachlich zuständigen Minister Peter Altmaier habe man diesbezüglich schon zum Handeln aufgefordert. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es dazu nach Informationen der dpa:

Aus Sicht der Bundesregierung ist es wichtig, Zeitinseln zu verhindern und einen harmonisierten Binnenmarkt zu gewährleisten.

Voraussetzung dafür sei jedoch auch eine EU-weite Folgenabschätzung. Diese habe die EU-Kommission aber bislang noch nicht vorgelegt. Und dazu wird es wohl so bald nicht kommen. Von EU-Diplomaten war zu vernehmen, dass das Thema während der laufenden deutschen Ratspräsidentschaft nicht mehr groß diskutiert werde, wie die dpa weiter berichtet. Es gebe sehr viele andere Themen, die drängender seien als die Zeitumstellung.

(dpa/rt)

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