Deutscher Pflegetag: Ohne Reformen fehlen bald eine halbe Million Pflegekräfte

Zweihunderttausend Menschen – so viele Pflegekräfte wie Einwohner einer Kleinstadt – fehlen bereits jetzt in Deutschland. Schon bald könnte eine halbe Million Pflegekräfte fehlen, wenn nicht drastisch gegengesteuert wird, warnte Christine Vogler, neue Präsidentin des Deutschen Pflegerats auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin.

Im Jahr 2030 werden demnach die Pflegebedürftigen um eine weitere Million auf 5,1 Millionen Menschen anwachsen. Dringende Reformen sind bitter nötig, warnten auch andere aus der Branche. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) setzt auf vermeintlich kreative Lösungen: Die "Potenziale des Alters sollten gesehen und die Lust an Teilhabe der nicht mehr berufstätigen Menschen viel stärker erkannt" werden, so der KDA-Vorsitzende Helmut Kneppe, der davon unabhängig ebenfalls höhere Löhne in der Pflege fordert. Häusliche Pflege durch Angehörige müsse stärker in den Blick genommen werden, so Frank Schumann, Leiter der Fachstelle für pflegende Angehörige in Berlin. Dies sei während der Pandemie durch die Schließung von Tagespflegeeinrichtungen und ähnlichem besonders deutlich geworden.

Auch die Pflegeratspräsidentin Vogler betonte die Bedeutung pflegender Angehöriger. Denn solange die Situation mit dem Pflegefachpersonal nicht korrigiert werde, falle diese Aufgabe auf die Familien zurück. Die bestehenden und absehbaren Probleme seien strukturell und hätten längerfristig somit auch eine volkswirtschaftliche Dimension, erklärte Vogler. Es sei davon auszugehen, dass die Pflege von Angehörigen privat übernommen werden muss, was sich dann im Wirtschaftsleben widerspiegele. Sie fordert einen angemessenen Lohn, den sie bei 4.000 Euro ansiedelt und zeigt auf, dass der Personalbedarf zudem mit der Qualität der Pflege zusammenhängt, entsprechend also steigen müsste.

Der Pflegerat hatte im Vorfeld der Veranstaltung einige Kernforderungen formuliert: Den Auswirkungen von Pflegepersonalmangel und Klimawandel auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung müsse man sich gemeinsam und gleichzeitig stellen. Dafür brauche es bessere Arbeitsbedingungen, vor allem mehr Personal. "Wir brauchen erweiterte Kompetenzen für Pflegende und wir brauchen die Selbstverwaltung für die Profession Pflege", hieß es weiter.

Der scheidende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) meinte dazu am Mittwoch, die Besetzung offener Stellen sei nicht per Gesetz aufzulösen. "Jedes Krankenhaus, jeder ambulante oder stationäre Pflegedienst in Deutschland sucht gerade Personal und hat das Geld für die Stellen, kann sie nur nicht besetzen", so Spahn in Berlin zum Auftakt des Deutschen Pflegetages.

Auch sah er Anlass für Eigenlob auf dem Gebiet. Die große Koalition habe nach Ansicht von Spahn bei der Pflege in den vergangenen Jahren "ziemlich viel angepackt", darunter neu entstandene Stellen, Mindestlöhne in der Altenpflege und Reformen in der Ausbildung wie die Abschaffung des Schulgelds. Die Zahl der Auszubildenden in der Pflege seien so hoch wie nie zuvor.

Den Forderungen der in der Pflege Beschäftigten nach einer besseren Bezahlung schenkte Spahn Verständnis und sprach sich auch für eine weitere Erhöhung von Mindestlöhnen aus – welche bisher vor allem an seiner Partei, den Christdemokraten, sowie der FDP scheiterte. Die Frage der Tarifverhandlungen sei aber eigentlich auch eine Aufgabe zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten.

"Ein Thema kann Ihnen, wer immer Minister oder Ministerin wird in den nächsten 20 Jahren, keiner abnehmen", sagte er an die Teilnehmer des Kongresses gerichtet. Das sei die Frage, "wie sehr Sie sich selbst zusammentun, um ihre Interessen durchzusetzen". Jedes Krankenhaus und jeder Pflegedienst suche Personal. "Sie sitzen am längeren Hebel."

Deutschlands führender Fachkongress für die beruflich Pflegenden findet am erstmals hybrid vor Ort in Berlin und online statt und wird am Donnerstag fortgeführt.

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