Baubranchen-Vertreter: Ab Mitte des Jahres drohen massive Entlassungen

Die Baubranche in der Bundesrepublik steckt in einer tiefen Krise: Projekte werden abgesagt und in der Bauwirtschaft tätige Firmen melden Insolvenz an. Dabei sind die meisten Probleme hausgemacht, wie Thomas Herrschelmann, Referatsleiter Politik und Pressesprecher der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e.V., im Interview mit dem rbb erläutert. Zu den größten Problemen zählten neben der überbordenden Bürokratie und dem "Fachkräftemangel" vor allem die geringe Zahl der Aufträge, die 2023 reingekommen seien, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor.

Eine entscheidende Rolle spielten auch die großen Unsicherheiten, die mit diesem Rückgang an Aufträgen verbunden seien. Hervorzuheben sei hier vor allem das neue Heizungsgesetz bzw. Gebäudeenergiegesetz, dessen Umsetzung und die Voraussetzungen, die dafür komplett fehlten. Zudem fehlten langfristige und auch stabile Fördermodelle, die Anreize setzen:

"So hat die Bundesregierung Anfang 2022 die KfW-Förderung mit einem Federstrich komplett weggestrichen. Diese Förderung hat sehr viel Anreize gesetzt, sowohl im energetischen Neubau als auch eben in der energetischen Sanierung von Gebäuden. Das war auf einmal weg und das sind mehrere Milliarden pro Jahr gewesen."

Mit Bonava in Fürstenwalde (Spree) hatte bereits ein bekanntes Bauunternehmen hunderte Mitarbeiter entlassen. Laut Herrschelmann könne man davon ausgehen, dass weitere Firmen ab Mitte des Jahres damit beginnen, Mitarbeiter zu entlassen. Dies habe es bereits im letzten Quartal 2023 gegeben, aber noch nicht in dieser Größenordnung:

"Da wird auch ganz viel von anderen Firmen, deren Auftragslage besser ist oder die ein längeres Polster haben, aufgenommen werden. Das wird aber ab Mitte des Jahres dann mehr werden, dass Leute einfach entlassen werden. Und natürlich auch keine neuen Arbeitgeber finden, weil dann auch viele Firmen die Tore schließen werden."

Die Pläne der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, wurden 2022 und 2023 bekanntlich verfehlt. Laut Herrschelmann werde man dies auch 2024 und 2025 nicht schaffen. Nach wie vor sei nicht klar, wie die Förderung aussehen werde.

"Zwar ist jetzt auf Bundesebene eine Milliarde mehr an Förderung für den Wohnungsbau vorgesehen worden, aber das reicht längst nicht an die Anreize aus den alten KfW-Programmen heran."

Ein zweiter Punkt seien die Ge- und Verbote, die von der Ampel-Koalition auferlegt wurden, wie beispielsweise die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG).

"Die weiß im Moment noch keiner einzukalkulieren.

Die Bauherren sagen, unter den jetzigen Voraussetzungen lohnt sich das für uns überhaupt nicht, Gebäude in irgendeiner Form zu planen. Und dann werden sie auch keine Kredite bekommen, weil die Banken natürlich sagen, wie wollen Sie denn zu den Mietkonditionen, die sie benötigen, die die Wohnung auch vermieten? Natürlich werden die Firmen dann entlassen und im schlimmsten Fall eben vom Markt gehen."

Laut Herrschelmann werde sich die Situation in der ganzen Bundesrepublik wie in Berlin entwickeln. Zur Erinnerung: In Berlin habe man einen Wohnungsleerstand von einem Prozent, was "absolut nicht gesund ist." In Städten müsse man eigentlich von einem Wohnungsleerstand von drei bis vier Prozent ausgehen. Dann gebe es genügend Angebot in allen Segmenten und diejenigen, die eine Wohnung suchten, könnten auch eine finden.

"Wenn nicht gebaut oder entsprechend auch alte, jetzt nicht genutzte Gebäude zu Wohnraum umgebaut oder saniert werden sollten, wird sich die Lage natürlich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Damit wird die Knappheit natürlich heftig und auch die Mieten werden logischerweise weiter steigen."

Mehr zum Thema - Materialmangel am Bau auf Rekordniveau – Wohnungsbau womöglich betroffen

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