Ausstieg oder Neuverhandlung – Verwirrung um Elon Musks Twitter-Übernahme

Seine Ankündigung, die Plattform für 44 Milliarden Dollar zu kaufen, sorgte für großes Aufsehen. Doch trotz des Tempos bei seinem Vorgehen war er sich offenbar nicht ganz so sicher: Der Tech-Milliardär Elon Musk hat seinen Deal zum Kauf von Twitter an diesem Freitag vorläufig für ausgesetzt erklärt. Er begründete dies damit, dass das soziale Netzwerk mitgeteilt hatte, weniger als 5 Prozent seiner fast 230 Millionen täglich aktiven Nutzer seien falsche oder Spam-Konten. In der Eile des Kaufs hatte Musk auf eine sonst übliche Prüfung der Bilanzen von Twitter verzichtet. Der Tesla-CEO wolle nun Beweise von Twitter für diese Berechnungen, bevor er mit dem Geschäft fortfahre. Kurze Zeit später versicherte er dann, dass er aber weiterhin an der Übernahme interessiert sei.

Letzten Monat wurde in einem Ergebnisbericht von Twitter festgestellt, dass das Unternehmen drei Jahre lang zu viele tägliche Nutzer gezählt hatte. Das Unternehmen machte dafür einen technischen Fehler verantwortlich. Dieser hatte dazu geführt, dass mehrere Konten als aktiv gezählt wurden, obwohl sie an einen einzigen Nutzer gebunden waren. Dies wiederum hatte bewirkt, dass die Plattform ihre Nutzerzahlen in jedem Quartal um bis zu 1,9 Millionen falsch zählte.

Anfang dieses Monats schätzte Twitter in einem Bericht, dass weniger als 5 Prozent seiner täglich aktiven Nutzer im ersten Quartal Bots oder Spam-Accounts waren, die zu Geld gemacht werden konnten. Das Unternehmen wies jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Zahl "höher sein könnte".

Musk, der letzten Monat seine Absicht angekündigt hatte, Twitter kaufen zu wollen, hatte zuvor geäußert, dass eine seiner Hauptprioritäten darin bestehen würde, "Spam-Bots" von der Plattform zu entfernen. Allerdings gibt es Berichte darüber, dass Tesla selbst Bot-Konten auf Twitter eingesetzt hat, um Hunderttausende positiver Tweets über das E-Auto-Unternehmen zu generieren. Zu dem Schluss sei laut Associated Press beispielsweise ein Forscher der University of Maryland gekommen.

"Twitter-Deal vorübergehend auf Eis gelegt, bis Details vorliegen, die die Berechnung stützen, dass Spam/Fake-Konten tatsächlich weniger als 5 Prozent der Nutzer ausmachen", verlautbarte Musk am Freitag auf dem Kurznachrichtendienst. Dessen Aktienwert fiel nach Musks Tweet im vorbörslichen Handel rasch um fast ein Viertel und notierte bei etwa 34,50 Dollar – weit entfernt von den 54,20 Dollar je Aktie, die Musk den Aktionären in Aussicht gestellt hatte. Schon am Donnerstag war das Papier mit 45,08 Dollar aus dem Handel gegangen – wohl ein Zeichen der Skepsis von Investoren, ob Musk den Deal tatsächlich durchzieht.

Spekulationen kamen von mehreren Seiten. Der Börsenexperte Markus Koch vom Handelsblatt erklärte, dass die zur Sicherheit hinterlegten Tesla-Aktien seit dem Kaufvorhaben im Wert geschwankt hätten. Die Tesla-Papiere stiegen im vorbörslichen US-Geschäft um gut sechs Prozent, und verzeichneten damit den größten Tagesgewinn seit fast zwei Monaten. Der US-Milliardär habe unter anderem die Verschuldung des Netzwerkes riskiert.

"Elon Musk verwandelt den Deal in eine Zirkusshow", so der Analyst Dan Ives von Wedbush Securities, der sowohl Tesla als auch Twitter verfolgt. Statt einen solchen Wirbel per Tweet zu erzeugen, hätte der Milliardär den korrekten Weg in Form einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht gehen sollen, wie es üblich wäre. Dass der unkonventionelle US-Unternehmer sich an für die Allgemeinheit geltende Regeln hält, war auch in Grünheide bei Berlin oft nicht zu erkennen.

Nach Ansicht von Sara Silver, Professorin für Wirtschaftsjournalismus und Finanzkommunikation an der Quinnipiac University, habe es den Anschein, dass Musk die Anzahl der Spam-Konten als Vorwand benutze, um sich aus dem Geschäft zurückzuziehen.


"Die Behauptung, dass dies der Grund dafür ist, dass er das Geschäft auf Eis legt, ist nicht glaubwürdig", sagte Silver gegenüber Associated Press. "Das ist kein neues Problem für ihn. Es dringt nicht erst jetzt in sein Bewusstsein."

Seit bekannt geworden war, dass Musk die soziale Plattform kaufen wollte, waren die Tesla-Aktien stark im Wert abgestürzt. Im letzten Monat verloren sie rund ein Viertel ihres Wertes und sind von etwa 1.150 Dollar Anfang April – als Musk bestätigte, dass er eine große Beteiligung an Twitter eingegangen war – auf etwa 762 Dollar am 13. Mai gefallen.

"Es ist also viel teurer für ihn geworden, dieses Unternehmen mit seinen Tesla-Aktien zu kaufen", gibt Silver zu bedenken. Musks Nettovermögen, das von Forbes Anfang der Woche auf 240 Milliarden Dollar geschätzt wurde, ist am Freitag auf 223 Milliarden Dollar gefallen.

Wedbush-Analyst Dan Ives sagte, dass Musks "bizarrer" Tweet die Wall Street dazu veranlassen werde, entweder zu denken, dass das Geschäft wahrscheinlich auseinander fällt und dass Musk versucht, einen niedrigeren Preis auszuhandeln, oder dass er einfach mit einer Strafe von 1 Milliarde Dollar aus dem Geschäft aussteigt.

"Viele werden dies so sehen, dass Musk diese Twitter-Meldung bzw. diesen Spam-Account nutzt, um in einem sich stark verändernden Markt aus dem Geschäft auszusteigen", schrieb Ives.

Leerverkäufern, die darauf wetteten, dass der reichste Mensch der Welt den Kauf der Social-Media-Plattform nicht durchziehen wird, hat die Verwirrung um das Übernahmeangebot jedenfalls Millionen an Papiergewinnen beschert.

Mehr zum Thema - Musk steigert Kampfansage an Putin

benji Karaffe Alladin Gold + 2_Becher Gold

Es gibt neue Nachrichten auf friedliche-loesungen.org
:

Nur wer angemeldet ist, geniesst alle Vorteile:

  • Eigene Nachrichten-Merkliste
  • Eigener Nachrichtenstrom aus bevorzugten Quellen
  • Eigene Events in den Veranstaltungskalender stellen
M D M D F S S
 
 
 
 
 
 
1
 
2
 
3
 
4
 
5
 
6
 
7
 
8
 
9
 
10
 
11
 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
30
 
31