5 Argumente gegen gendergerechte Sprache, die wir schon zu oft gehört haben

Liebe Leser*innen,

„Geschlechtergerechte Sprache“ oder „Gendern“ sorgt des Öfteren für erhitzte Diskussionen, erst kürzlich wieder zum Frauentag am 8. März. Über Sinn und Unsinn der Repräsentation der Gleichstellung der Geschlechter auch in der Sprache gibt es jedoch viel Unwissen und einige Missverständnisse. Und egal, ob du jemand bist, der oder die dafür oder dagegen argumentiert, die folgenden Argumente sind hinreichend bekannt.

Ich möchte die gängigsten Argumente gegen das Gendern analysieren und aufzeigen, wo jeweils das Problem liegt. Und warum das wahre „Gender-Gaga“ darin liegt, für Frauen Männerbezeichnungen zu wählen. Und nur ein Hinweis: Wenn ich Argumente angreife, dann nur diese und nicht diejenigen, die diese Argumente vorbringen. Wenn du eines dieser Argumente glaubst, sieh es es als harmloses Gedankenexperiment, und nicht als persönlichen Angriff.


1. „Frauen sind ja mitgemeint“

Sprache beeinflusst unser Denken enorm. Wer einmal den Begriff „Framing “ gehört hat, weiß, worum es geht. Es geht darum, dass deine Erwartungen beeinflusst werden, je nachdem, welche Worte man verwendet. „Steueranpassung“ klingt harmloser als „Steuererhöhung“, ist aber das Gleiche. Wenn ich von „meinem Zahnarzt“ spreche, denkt aber erstmal keiner, dass das eine Frau ist.

Studien belegen das auch. Eine Studie von 2015 an 600 Schulkindern zeigte, dass Mädchen viel eher glaubten, sie könnten einen von Männern dominierten Beruf ebenfalls ausüben, wenn die Berufsbezeichnung gegendert war (Quelle). Eine andere Studie zeigt, dass mehr männliche Sportler aufgezählt werden, wenn man fragt „Nennen Sie drei Sportler“, als wenn man fragt „Nennen sie Sportler und Sportlerinnen“ (Quelle). Wenn Jobbeschreibungen nur das „generische Maskulinum“ verwenden, hält man Männer für diese Positionen für geeigneter als Frauen (Quelle).

Selbst wenn ganz ehrlich „Frauen mitgemeint“ sind, werden sie durch die Wortwahl nicht mitgedacht. Ganz automatisch, ohne böse Absicht. Niemand kann deine Gedanken beim Sprechen lesen, sondern nur interpretieren, was du sagst. Und wenn du männliche Begriffe verwendest, denkt man eher an Männer, ob das so gemeint war oder nicht.

2. Das „Generische Maskulinum“

Einige argumentieren, dass das „Generische Maskulinum“ – also das Verwenden der männlichen Form als geschlechtsübergreifender Begriff – Frauen nicht exkludiere, eben weil es ein Oberbegriff sei. Doch das verkennt die Herkunft dieser Bezeichnung, welche erst seit Ende der 1980er Jahre existiert. Bis dahin war die männliche Form nicht nur die Norm, sondern auch eindeutig männlich. Früher gab es auch z.B. keine weiblichen Richterinnen oder Wählerinnen, die „mitgemeint“ hätten sein können.

Erst im Nachhinein erklärte man den Standard der Exkludierung von Frauen als genderübergreifende Norm. Außerdem wird das generische Femininum ja nicht in gleicher Weise behandelt. Oft werden „männliche Personen“ spezifiziert. Oder warum sagt man „Die Polizei – Dein Freund und Helfer“ und nicht „deine Freundin und Helferin“? Traditionell wird die Sprache maskulinisiert – oft unbewusst – und schließt damit in der Kommunikation oft versehentlich eine Hälfte der Bevölkerung aus.

3. Wir sollten die Sprache nicht verändern

Oft wird das seltsame Argument gebracht, dass Sprache nicht „einfach so“ verändert werden dürfe. Das verkennt die Tatsache, dass Sprache sich konstant verändert. Es etablieren sich neue Worte aus anderen Sprachen, für neue Techniken oder Dinge, die es früher nicht gab. Abkürzungen und neue Schreibweisen werden normal und standardisiert. Das lernt man in jedem Grundkurs Sprachwissenschaft.

Die Veränderung an sich ist ebenso normal wie unaufhaltsam und damit kein Argument gegen eine neue Verwendung der Sprache, selbst wenn sie bewusst passiert. Mit dem gleichen Argument könnte man auch eine Rechtschreibreform ablehnen. Selbst ein Streit über Sinn und Unsinn der Veränderungen ist müßig: Man kann die übermäßige Verwendung von Anglizismen, Jugendsprache oder eben Gendern beklagen, aber genau diese Prozesse haben die deutsche Sprache erst zu dem gemacht, was sie ist.

4. Gendern macht Schrift und Rede kompliziert & Sieht nicht schön aus

Ok, das mag eine persönliche Meinung sein, das kann ich nicht widerlegen. Geschlechtergerechte Formulierungen werden manchmal als umständlich oder kompliziert wahrgenommen, auch von mir. Aber eine weitere Studie von 2010 zeigt, dass gegenderte Texte nicht die Textästhetik oder Lesegeschwindigkeit beeinflussen – außer ein wenig bei der Verwendung des Binnen-Is. Die Autoren der Studie stellen fest: Durch Verwenden beider Genderformen, sowie neutraler Begriffe kann ein Text geschlechtergerecht formuliert werden, ohne an Verständlichkeit und Ästhetik einzubüßen (Quelle).

Außerdem ist es vermutlich auch einfach eine Frage der Gewohnheit. Für Personen, für die es normal ist, beispielsweise von „Damen und Herren“ zu lesen oder zu hören, denen fällt es auch nicht gesondert auf. Eine Germanistin meinte in einem Interview mit dem ORF dazu: „Sobald wir so daran gewöhnt sind, dass es uns nicht mehr auffällt, werden wir es auch nicht mehr als störend empfinden.“ (orf.at)

5. Gibt es nicht wichtigeres?

Natürlich gibt es eine ganze Reihe struktureller Diskriminierungen. Der Gender-Pay-Gap ist in Deutschland immer noch vorhanden, §219a, Kinderbetreuung, Arbeitnehmerinnenrechte, Gewaltschutz usw. sind alles echte Probleme, an denen noch gearbeitet werden muss. Wem im Angesicht dieser Dinge die sprachliche Repräsentation nichtig erscheinen mag, kann gern dieser Ansicht sein. Aber wie oben gezeigt worden ist, formt die Sprache auch unser Denken und damit unser Handeln und kann ganz ungeahnte Auswirkungen haben.

Das sind alles Symptome des gleichen Problems. Wenn das Sprechen von „Ärzte und Ärztinnen“ dabei hilft, dass sich mehr Mädchen vorstellen können, einmal Ärztin zu werden, dann wird es indirekt auch zu mehr Ärztinnen führen. Außerdem hindert es doch keinen daran, sich für alle diese Dinge einzusetzen, und gleichzeitig zu gendern. Man kann ja problemlos beides machen. Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun.

Fazit

Nein, das heißt nicht, dass jemand jetzt sofort das Binnen-I oder den Genderstern (*) verwenden muss, sonst ist er oder sie sexistisch. Natürlich nicht. Es ist natürlich Gewöhnungssache, beim Verwenden, wie auch beim Lesen. Es gibt auch keine universelle Antwort zwischen „Lesenden“, „Leser/innen“, „Leser_innen“, „Lesern und Leserinnen“ oder „Leser*innen“ (auch wenn letzteres Inter-binäre Personen ebenfalls inkludiert). Und es ist auch nicht fatal, wenn man es mal aus Gewohnheit vergisst.

Wichtig ist, zu verstehen, dass es sich dabei lediglich um einen ehrlichen Versuch handelt, das Ziel der vollständigen Gleichberechtigung zu erreichen. Auch in unseren Köpfen. Und es ist völlig freiwillig – Es geht nicht darum, Leute zu zwingen oder eine sinnlose Maßnahme einzuführen. Es hat gute Gründe, ist eigentlich nicht so schwer und vor allem: Es schadet niemandem. Es gibt keinen wirklichen Grund, es nicht zu tun. Aber es gibt gute Gründe, es zu tun. Und wenn du nicht willst, dann ist das ok. Aber du solltest dich nicht daran stören, wenn es andere machen.

Artikelbild: Coyote IIICC BY-SA 4.0

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